Welcome to my world.

Category: Sunday Thoughts

Etwas Optimismus bitte

Jedes Mal, wenn ich die Nachrichten sehe oder eine Dokumentation, schelte ich mich dafür, nicht dankbar genug zu sein. Nicht alles in meinem Leben läuft rund. Und mir würde sofort jede Menge einfallen, dass mir zu schaffen macht. Und doch. Ist das nicht klagen auf hohem Niveau?

Es gibt genug schlechte Nachrichten auf der Welt. Genug, das uns den Tag verderben kann. Vielleicht ist es an der Zeit, auch etwas Gutes in die Welt hinaus zu rufen. Zu überlegen, was gut ist, was gelingt, was funktioniert, obwohl es eben nicht selbstverständlich ist. Ich habe lange keinen Sonntagsgedanken mehr geschrieben und vielleicht ist es mal wieder Zeit dafür.

Ich habe mir nun jedenfalls das Ziel gesetzt, positiver auf mein Leben zu sehen. Und dazu gehört aktuell meine Heimat Berlin. Gerade von Xaver ordentlich auf den Kopf gestellt, gescheitert im Öffi-Verkehr und regelmäßig in den Nachrichten für all das, das hier nicht funktioniert, nicht fertig gebaut wird, nicht so ist, wie es sein soll. Berlin ist laut, unfreundlich und eine permanente Baustelle? Ich finde, Berlin ist lebendig, ehrlich und der Inbegriff von Wandel und Erneuerung. Ich mag diese so andere Weltstadt. Ich mag es, ihren Puls zu fühlen. Berlin ist eine Stadt der Gegensätze. Alt und modern, laut und leise, grün und bebaut. Vom gläsernen Riesen Sonycenter kann man das alte Brandenburger Tor sehen. Vom Berliner Dom ist es nur ein Katzensprung zum Fernsehturm. Kirchen, Synagogen und Moscheen sind Oasen der Ruhe im Trubel der Großstadt. Auf jeden Betonklotz kommt ein ebenso großer Park, Wald oder See. Ich liebe es, wie man im Brustton der Überzeugung von Müggelbergen, Teufelsberg und Kienberg spricht – auch wenn ab dem Harz abwärts niemand in diesen „Bergen“ auch nur Hügel sehen würde. Ich mag die Schlagfertigkeit von Busfahrern und die Allwissenheit der Taxifahrer. Ich mag die Musiker in den Ubahnen, die den Soundtrack zu meinem Alltag spielen, und den Laierkastenspieler, der mich beim Heimkommen in Köpenick empfängt. Ich genieße es, nur mit einem BvG-Ticket eine Weltreise machen zu können, weil jeder Stadtteil wie eine ganz eigene Stadt in einem eigenen Land ist. Wie jeder Kiez so unglaublich individuell ist – wie eine eigene Welt.

Berlin ist ein ganz besonderer Flecken Erde mit ganz besonderen Menschen. Geradeheraus. Stur. Humorvoll – wenn man den gleichen Humor hat. Ich bin dankbar, hier zu sein. Ich bin dankbar für den täglichen Wahnsinn, der sich hier Alltag nennt. Ich bin dankbar für das Leben, das mich hier umwirbelt, ohne an mir Anstoß zu nehmen. Ich bin dankbar für all die Originale, die mein Leben und damit auch meine Geschichten bereichern – einfach nur, weil sie mir begegnen. Fremde werden zu Fremden mit Lebensgeschichten und manchmal sogar zu Freunden.

Berlin, ick liebe Dir.

Sincerely

Autoren, die Erschaffer neuer Welten

Ein etwas anderer Sonntagsgedanke…

Der Autor als Lebensform ist ein höchst kurioses Wesen. Primär von Kaffee und Schokolade am Leben erhalten, existiert er zwischen den Welten. Es sind nicht nur zwei Welten, es sind unzählige. Wo andere Erdenbürger eine Tasse Kaffee oder vielleicht noch ein ihr Leben rettendes Elixier sehen, erkennt der Autor so viel mehr: mögliche Giftmorde, da das herbe Aroma des Kaffees den bitteren Geschmack von Zyankali überdeckt; Szenen von Menschen, die bei Kaffee beieinandersitzen, um dem ungastlichen Wetter jenseits der beschlagenen Gasthausfenster zu entfliehen; oder die Unergründlichkeit des schwarzen Gebräus, das in so vielen Dinger der Finsternis seiner Seele gleicht.

Autoren sind Schöpfer und Zerstörer, Interpretatoren und Selbstdenker, sie sind Meister der Illusion und Irreführung, der Leidenschaft und Verführung, des Mordens und des Tröstens. Ein Blick in ihre Internethistorie ruft schneller den Verfassungsschutz auf den Plan als jeder Terrorist und kaum ein anderer Mensch hat so viele unterschiedliche und irreführende Interessen – vom Schießtraining bis zum Ikebana, von Grundlagen des Medizinstudiums bis zu Botanik.

Autoren leben zwischen den Welten. Schon die Welt aller anderer Lebewesen ist für sie eine andere, eine buntere. Aus jedem harmlosen Detail können sie im Nu eines Augenaufschlags eine neue Welt erschaffen. Sie brauchen keine sieben Tage, sie brauchen sieben Seiten. Sie schaffen Gut und Böse, böses Gute und gutes Böse. Sie schaffen Schwarzweißwelten, die Vorurteile auf den Kopf stellen und Graustufen mischen. Sie schaffen graue Welten und malen sie bunt. Sie malen Welten wie Ölgemälde, so weit, verträumt und farbenfroh. Sie lassen Welten wie in einem Blitzlicht aufleuchten, hinterlassen Nachbilder in unseren Köpfen. Nachbilder, die dem Leser einen kurzen, leuchtenden Einblick in ihre Welten verschaffen. Ölgemälde, die noch lange in seinem Geist verweilen werden, ihn prägen und verwandeln.

Keine Macht ist größer als die des geschriebenen Wortes. Kein Zauber größer als der Bann des ›Nur noch ein Kapitel‹. Wie Leser gezwungen sind, immer mehr und mehr zu lesen, zu verschlingen, zu inhalieren; so sind Autoren dazu gezwungen, ihre Welten preiszugeben, hinauszuschreien, festzuhalten. Autoren leben zwischen den Welten. Den Welten, die sie erschaffen. Sie sehen die Welt bunter, sie sehen die Welt größer, sie sehen eine neue Welt im Schatten eines Staubkorns.

Sincerely

Vom Leben gezeichnet

Heute habe ich nur einen ganz kurzen Sonntagsgedanken für Euch.

Kurz, aber dafür nicht unbedingt leicht zu schlucken.

Es heißt oft, ein Mensch sei vom Leben gezeichnet.
Ich glaube, das stimmt nicht ganz.
Das Leben gibt uns Farben an die Hand, um uns, um unsere Leinwand bunt zu machen… zu bemalen und zu bezeichnen. Das Leben gibt uns Farben vor… vielleicht sogar Motive. Aber es zwingt uns nicht. Es zeichnet uns nicht. Wir sind keine passiven, willenlosen Leinwände. Wir sind unser eigenes Kunstwerk und unsere eigenen Künstler.
Ließe man alle Künstler der Geschichte das gleiche Motiv malen… erzählte ihnen dazu die gleiche Geschichte… so würde es doch jeder völlig anders malen. Der eine grell und dramatisch, der nächste verworren und verspielt, der dritte möglichst realistisch und dabei doch genauso subjektiv. Ein und dieselbe Erfahrung kann völlig unterschiedliche Reaktionen und Erkenntnisse mit sich bringen.
„Das Leben“ oder „das Schicksal“ im Allgemeinen zum Grund für die eigene Situation zu erklären, ist eine recht… entspannte Lösung. Denn es sagt, dass man keine Wahl hatte, dass es eben so kommen musste. Unsere Vergangenheit ist im Rückblick eine Erklärung für unser Handeln. Aber es ist im Vorab keine Bedingung. Als ich meine Gedanken dazu mit einer lieben Freundin teilte, stimmte sie nachdenklich zu und gab mir ein Beispiel, das es in sich hat: Zwei Schwestern haben eine Mutter mit einem starken Alkoholproblem. Die eine Schwester wächst auf und beginnt irgendwann, ebenfalls zu trinken. Wann immer sie darauf angesprochen wird, sagt sie „Wie könnte es anders sein? Schon meine Mutter hat getrunken. Es musste so kommen“. Die andere Schwester wächst heran und trinkt niemals zu viel und generell nur selten, weil sie niemals so enden will wie ihre Mutter. Für beide liegt die Erklärung in der Vergangenheit. Aber beide gehen vollkommen unterschiedlich damit um.
Das ist ein hartes Beispiel, denn so wie in dieser Geschichte, gibt es im Leben Herausforderungen, die das Potential haben, uns zu zerstören. Aber „Potential“ meint kein Muss. Unsere Vergangenheit schreibt uns nicht unsere Gegenwart vor und erst recht nicht unsere Zukunft. Unsere Vergangenheit schafft Erfahrungen in uns und wir sind es, die diese Erfahrungen bewerten müssen – um daraus zu lernen, um daran zu wachsen, um immer besser zu werden.

Das Leben zeichnet uns nicht. Es stellt die Voraussetzungen und die Umgebung für das Bild, das wir selbst von uns zeichnen.
Unser vergangenes Leben ist unsere gegenwärtige Inspiration beim zeichnen unserer Zukunft.
mc.

Sincerely

Frohe Weihnachten

Um Euch nicht noch länger auf ein Wort von mir warten zu lassen, nur ein kurzes.

weihnachtsgruss-sIch wünsche Euch allen ein frohes Weihnachtsfest! Genießt die Festtage, verbringt so viel Zeit wie möglich mit den Menschen, die Euch wichtig sind. Egal wie viel Weihnachtsstress um Euch herum herrscht und wie viel Ihr eigentlich noch erledigen müsst, denkt immer daran, dass nichts so wenig selbstverständlich ist wie Zeit mit geliebten Menschen. Wir mussten gerade erst lernen, wie schnell Menschen aus dem Leben gerissen werden können, wie schnell sie nicht mehr unmittelbarer Teil unseres Alltags sind. Nutzt die Zeit. Genießt sie. Genießt jeden Augenblick mit denen, die Euch gut tun und denen Ihr gut tut. Lasst den verbrannten Kuchen verbrannten Kuchen sein… packt die letzten Geschenke etwas schluderiger ein… aber nehmt Euch dafür die Zeit, einander in den Arm zu nehmen und Euch gegenseitig zu versichern, wie wichtig Ihr einander seid. Das ist so viel wichtiger, als alle Geschenke und stressigen Vorbereitungen. Gesegnete Weihnachten!


This time only a short Christmas-Message – but in two languages 🙂

I’m wishing everyone a happy merry Christmas! Enjoy these holidays, use your freetime to be with those people, that are important to you. Don’t care about your xmasbussiness, about the cake or presents… Focus on what really matters: Your beloved ones. Don’t take them for granted. In Berlin we realized one more time that they aren’t in these days. Use your time wisely – not for big xmas preparations or things like that. Use them to give your beloved ones a long and warm hug and tell them how much you love them. This will be the only present that matters. Blessed Christmas to everyone!

Sincerely

the wingscriber pls sig

Das Buch und sein Cover

Man soll ein Buch bekanntlich nicht nach seinem Cover beurteilen. Es zählen die ›inneren Werte‹. Dem kann ich als Autor nur zustimmen. Ein Buch ist so viel mehr als nur sein Cover. Ein Buch ist eine ganze Welt und es gilt sie zu entdecken.

Als Coverdesigner weiß ich aber auch, dass das Cover wie ein Fenster in diese Welt ist. Oder wie eine Tür. Es offenbart den ersten Blick ins Buch, es ist die Tür, die wir öffnen müssen, wenn wir das Buch aufschlagen, um einzutauchen.

Ein Cover zeigt nicht alles. Dafür ist es auch gar nicht gedacht. Es gibt nicht einmal immer die Wahrheit wieder. Genau wie ein Fenster in einem Haus nur einen kleinen Ausschnitt des Alltags im Inneren zeigt. Genau wie das Äußere eines Menschen nur eine Momentaufnahme seiner selbst ist.

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Äußere Umstände können dem Einband des Buches zusetzen, ohne dessen Inhalt zu gefährden. Ein unglücklich gestaltetes Cover kann einen Leser davon abhalten, dem Inhalt eine Chance zu geben. Genauso wie das Äußere eines Menschen andere davon abhalten kann, sein Inneres kennenzulernen. Wer sich von einem weniger ansprechenden Cover nicht abschrecken lässt, kann vom reichhaltigen Inhalt positiv überrascht werden. Ebenso wie ein schönes Cover den Betrachter in die Irre führen kann. Natürlich können die Cover auch passen und ein weniger schönes Cover umfängt auch keinen schönen Inhalt. Aber was ist schlimmer für einen Menschen, der offen für neue Geschichten ist: Aus einem voreiligen Urteil heraus eine großartige Geschichte zu verpassen oder aus Offenheit auch mal eine weniger spannende Geschichte ergattern?

Wenn ich in Facebook und anderen Plattformen der Social Media Welt wieder und wieder lese „Man sollte ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen“ oder „Ich suche meine Bücher nie nach dem Cover aus“ oder „Das Cover ist doch völlig egal“, dann frage ich mich immer, wie ehrlich diese Menschen zu sich selbst sind. Und ich frage mich, wo diese ehrenhaften, so unerschütterlich gutmütigen Menschen in der realen Welt sind. Denn in der realen Welt sehe ich in Buchhandlungen extrem selten schlechte Cover und auch Mitmenschen mit einem eher ›unglücklichen Cover‹ werden auf der Straße von anderen gemieden. Das ist die Erfahrung, die ich tagtäglich mache. Eine Erfahrung, bei der ich mich ehrlicherweise auch selbst oft erwische.

Als Coverdesigner habe ich den Anspruch, gute Cover für gute Bücher zu machen, damit sie von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Aber als Autor weiß ich, dass ich auch Büchern mit einem schlechteren Cover eine Chance geben sollte. Die Bücher beispielsweise, die besonders mitgenommen und zerlesen aussehen, sind die mit den spannendsten Geschichten. Nur Bücher, die niemand in die Hand nimmt, tragen keine Spuren mit sich. Ich glaube, beim Menschen ist das ebenso und ich glaube, wir können gerade von den Geschichten derjenigen profitieren, die durch das Leben gezeichnet sind.

Man soll ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen.

Vielleicht ja doch. Aber anders.

Erstaunlich, wie dieser Gedanke sowohl auf Bücher als auch auf Menschen passen. Vielleicht ja, weil beide Geschichten und Leben enthalten… Geheimnisse, die wir lüften wollen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass Eure dritte Adventswoche besinnlicher verläuft als meine und ihr den einen oder anderen Blick am ›Cover‹ vorbei wagt.

Sincerely

the wingscriber pls sig

Erwarte Wunder

Gibt es eigentlich Wunder? Oder ist das nur religiöser, übertriebener, unaufgeklärter Unsinn?

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Ich glaube, es kommt darauf an, was jeder einzelne von uns unter einem Wunder versteht. Am Anfang war das Wort, heißt es ganz biblisch. Also gebe ich das Wort „Wunder“ bei Duden.de ein und lese mir die Bedeutungsübersicht durch: 1. außergewöhnliches, den Naturgesetzen oder aller Erfahrung widersprechendes und deshalb der unmittelbaren Einwirkung einer göttlichen Macht oder übernatürlichen Kräften zugeschriebenes Geschehen, Ereignis, das Staunen erregt 2. etwas, was in seiner Art, durch sein Maß an Vollkommenheit das Gewohnte, Übliche so weit übertrifft, dass es große Bewunderung, großes Staunen erregt 3. in Verbindung mit bestimmten Fragewörtern.

Hm. Recht übernatürlich angehaucht. Und dann auch wieder nicht. Etwas, das unseren Erfahrungen widerspricht. Also beispielsweise ein höflicher Busfahrer in Berlin. Etwas, das das Übliche weit übertrifft und Staunen erregt. Also zum Beispiel eine Frau ohne Arme, die es dennoch schafft, wunderschöne Bilder zu malen. Oder ein Mann ohne Beine, der einen Marathon gewinnt. Etwas, das in Verbindung mit Fragewörtern gedacht wird. Also etwas, das wir nicht kennen, nicht verstehen, bei dem wir nachhaken müssen. Dann sind Wunder also doch auch irgendwie greifbar. Auch für jemanden, der mit einem großen Weltenlenker nichts zu tun haben will.

Ich versuche es mal mit einer eigenen Definition: Wunder sind Dinge, Momente, Menschen, die uns zum Guten hin im richtigen Moment überraschen. Ich gehe so weit zu sagen: Wunder sind kleine und große Zufälle, die unser Leben bereichern und verbessern – Zufälle die nicht einfach so passieren. Zufälle, für die jemand meist hart arbeiten muss – ob man selbst, das Gegenüber oder jemand völlig Fremdes, das sei erst einmal dahingestellt. Wunder sind in dem Sinn Zufälle, dass wir nicht mit ihnen rechnen, dass sie plötzlich einfach passieren. Unvorhersehbar und außergewöhnlich.

Ich arbeite täglich hart daran, irgendwann ruhigen Gewissens von meiner Kreativität leben zu können. Und obwohl ich so hart daran arbeite, empfinde ich jeden Erfolg, jeden Schritt vorwärts als ein unerwartetes Glück, als etwas, das mir Auftrieb verleiht – ein Wunder. Wenn ich morgens in einen Bus steige und während des Fahrkartenverkaufs angelächelt werde, dann widerspricht das allem, was ich in meinem Alltag in Berlin regelmäßig erlebe. Für mich ist das dann ein kleines Wunder. Für den Busfahrer ist es die Überwindung, fremde Menschen anzulächeln, die durch ihn hindurchsehen. Und wenn ich sehe, wie fremde Menschen trotz all ihren Einschränkungen weitermachen und dabei sogar noch an andere denken, dann ist auch das ein Wunder für mich – eines für das diese fremden Menschen täglich wieder hart arbeiten müssen.

Wunder kommen also nicht aus dem Nichts und doch fallen sie uns irgendwie zu. Dann, wenn wir sie brauchen. Ich bin mir beispielsweise sicher, dass es ein Wunder ist, dass ich heute noch lebe. Klingt total übertrieben oder? Ist es aber nicht. Als Kind hatte ich einen schweren Unfall – nicht äußerlich, denn ich hatte keinen Kratzer, aber innerlich. Dass ich damals nicht in kürzester Zeit verblutete und starb, verdankte ich so dermaßen vielen Zufällen, dass ich mit zehn begann, das Wort „Zufall“ mit anderen Augen zu sehen und es Wunder zu nennen. Ein Beispiel? Wie oft kommt wohl der „Defekt“ vor, eine zweite Milz zu besitzen? Praktisch, wenn man sich bei einem Unfall so verletzt, dass die eigentliche Milz fast völlig zerstört ist. Da kann man sich doch nur was? Wundern. Ich jedenfalls habe mich gewundert, gefreut und bin dankbar, noch hier sein zu dürfen. Ist doch wunderbar oder?

Ich weiß nicht, warum es Unglück und Elend auf der Welt gibt. Ich weiß nicht, warum es nicht für jedes Problem das Wunder einer Lösung gibt. Ich weiß, vieles haben wir Menschen der Erde eingebrockt, nicht umgekehrt. Aber nicht alles. Trotzdem komme ich nicht umhin, weiter an Wunder zu glauben. Ich glaube solange an Wunder, wie es Menschen gibt, die daran arbeiten, für andere Wunder zu sein und zu wirken. Und ich will für andere so jemand sein sooft es geht. Und solange es Menschen gibt, die an Wunder glauben, können sie einem auch überall begegnen. Ich finde, das macht Hoffnung.

Erwartet Wunder. Erwartet das Unerwartbare. Gebt die Hoffnung nicht auf, dass alles am Ende gut wird. Denn wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende – das wusste schon Oscar Wilde.

In diesem Sinne: ich hoffe, Eure zweite Adventswoche war wunder-voll. Tut mir leid, dass ich Euch wieder einmal warten ließ. Wenn alles gut geht, mit etwas Glück, bekommt ihr den dritten Adventsgedanken pünktlich übermorgen! Würde Euch das wundern? 😉

Sincerely

the wingscriber pls sig

 

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne

Na das fängt ja gut an. Der erste Advent. Der erste weihnachtliche Sonntagsgedanke – und ich poste ihn am Montag. Aber aller Anfang ist schwer. Ich kann schon jetzt prophezeien, dass es am zweiten Advent wohl ähnlich sein wird, denn während des zweiten Advents bin ich auf der German Comic Con in Dortmund (und am Montag dann im Linienbus heim gen Berlin).

img_2960sIch muss also einmal mehr feststellen: Anfangen ist gar nicht so leicht – und ich bin mir sicher, damit erzähle ich niemandem etwas Neues. Es fängt schon am Morgen mit dem Aufstehen an. Ist man erstmal wach und aktiv, ärgert man sich oft über die morgens vertrödelte Zeit. Aber wenn man morgens aufwacht – draußen ist es kalt und dunkel und im Bett so flauschig und warm –, dann will einem das Aufstehen und Anfangen gar nicht einfallen. Mir zumindest geht das meistens so.

Anfangen kostet Mut und Überwindung. Es bedeutet, dass etwas Neues passiert; dass sich etwas verändert; dass das, woran man sich gerade gewöhnt hatte, endet. Traue ich mir den neuen Job zu? Die neue Partnerschaft? Die neue Rolle als Mutter? Anfangen kann uns Angst machen.

Aber wenn uns neue Herausforderungen und Aufgaben Angst machen, dann bedeutet das, dass wir uns unsere Entscheidung nicht leicht gemacht haben, dass wir sie ernst nehmen und sie uns mit all ihren Konsequenzen wichtig ist. Angst zu haben zeigt unsere Prioritäten. Es ist okay, sich vor einem neuen Anfang zu fürchten. Solange wir trotzdem anfangen – und nicht aufhören, bevor wir begonnen haben.

Wie heißt es so schön? Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Ich denke, das stimmt. Und ich muss es wissen, denn in meinen Büchern liegt jede Menge Magie verborgen. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Ich glaube, dieser Zauber beschreibt ein Gefühl, einen ganz bestimmten Moment:
Den Augenblick, in dem wir die Augen zukneifen, die Luft anhalten und vom Zehner ins Wasser springen. Der Augenblick, in dem wir uns vom Geländer abstoßen und unsicher, aber mit Schwung auf Kufen übers Eis gleiten. Der Augenblick, in dem wir all den Mut, den wir in uns finden können, zusammenkratzen und den einen Schritt machen, der aus einem Ende einen Anfang macht, der Grenzen und Differenzen überwindet.

Vorher ist da diese bedrohliche Wand aus „Ja, aber“s und „Aber was, wenn“s. Dann merken wir es. Wir merken, dass wir so weit sind und über diese Wand hinwegspringen können. Wir spüren es in unseren Beinen kribbeln und im Rücken zucken. Wir gehen in die Knie und springen ab und noch im Sprung spüren wir den Wind der Veränderung, können über die Wand sehen, sehen die neuen Chancen und Möglichkeiten und wissen: Es ist gut so. Und noch bevor wir wieder landen spüren wir das Glück in uns und den Stolz, dass wir es gewagt haben. Was für eine Gefühlsachterbahn!

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: Der Zauber, uns selbst zu überwinden; die Sicherheit der Gegenwart für die Möglichkeiten der Zukunft zurückzulassen; Mut und Entschlossenheit aus uns selbst heraus zu erschaffen, wo vorher Angst war; offen zu sein für das, was nun kommen mag.

Wer hätte gedacht, dass die Weihnachtszeit – die, die eigentlich besinnlich und ruhig sein sollte und stattdessen hektisch und turbulent ist – uns anregen soll, Neues zu wagen? Gerade die Zeit im Jahr, die von Traditionen und einer 2000 Jahre alten Geschichte lebt. Aber die Geschichte, die zu Weihnachten erzählt wird, erzählt eben auch genau das: Da ist ein junges Paar, das am Anfang steht – in so vielerlei Hinsicht. Da sind die Hirten und die Weisen, die ihre eigentlichen Aufgaben hinter sich lassen für etwas Neues, von dem sie noch gar nichts wissen. Immer wieder hören sie alle „Fürchtet Euch nicht“. Sie haben also Angst. Angst vor etwas Neuem, Ungewissen zu haben, ist offensichtlich nichts Neues.

Das wiederum kann doch beruhigen oder? Bei allem Anfangen: Die Angst vor dem Anfangen, vor dem Neuen ist nicht neu. Und trotzdem machen wir weiter. Wir alle tragen den Mut, den Zauber zum Anfangen in uns. Also lasst uns zaubern!

In diesem Sinne: Einen gesegneten ersten Advent, einen gesegneten Anfang der Weihnachtszeit!

Sincerely

the wingscriber pls sig

Wir sind Sonnenblumen

Oder wie der Titel vor vielen Jahren im Original hieß: Regen und Sonne.
Da meine kleine Geschichte am vergangenen Sonntag so gut bei Euch ankam, hab ich nochmal in meinem Büchlein aus Kindertagen geblättert und noch zwei kurze Geschichten oder viel mehr Gedanken daraus ausgesucht. Ich bin gespannt, wie sie Euch gefallen.

2893048966_5041f5b772_oWir sind wie Sonnenblumen. Wir richten unser Gesicht zur Sonne aus, die uns Wärme gibt und auch Geborgenheit. Aber Blumen brauchen auch Regen. Ohne ihn gäbe es weder Wachsen noch Leben.

Wenn er zu hart wäre, könnten unsere Blätter und Blüten zwar knicken, aber ohne ihn erst gar nicht aufblühen. Wir müssen uns unseren Problem, Ängsten und auch Sorgen stellen; sie sind nur Herausforderungen und sie werden uns weiterbringen und groß machen. Wachsen lassen. Auch sonnige Tage sind wichtig, aber gäbe es nur solche, würden wir schnell vertrocknen; aber ohne solche Tage würden wir ertrinken. Wir brauchen beides.

Doch wenn wir im Regen stehen, sollten wir immer nach der Sonne suchen, denn sie ist noch immer da. Sie ist nur versteckt, doch wir können sie trotzdem finden. Sie kann uns wieder von der Nässe der Regenwolken befreien und sie wird uns mit ihren Strahlen trocknen und zum blühen bringen.

Dieser erste Text drehte sich um uns selbst und darum, wie wir unser Leben mit allen Hochs und Tiefs wahrnehmen. Der zweite Text dreht sich um das Miteinander, um die Wahrnehmung unseres Gegenübers und was dabei wirklich wichtig ist.

Hören, Sehen, Fühlen

Wenn man einem Menschen zuhört, ist das nicht der einzige Weg, ihn zu verstehen, sich mit ihm zu unterhalten. Nicht nur mit den Ohren kann man hören. Wir brauchen alle unsere Sinne. Auch Augen können hören und sogar sprechen. Hände können genügen und auch mit den Ohren kann man fühlen, indem man mit ihnen auf die Gefühle anderer lauscht.

Hören, Sehen, Fühlen

Was bedeutet das? Den anderen verstehen, den anderen sehen – in allem was er tut und ist, die Gefühle anderer begreifen. Mit ihnen fühlen. Zu solchem Hören braucht man keine Ohren. Zu solchem Sehen braucht man keine Augen. Zu solchem fühlen braucht man keine Hände. Nur ein Herz, das weit offen ist.

Diese beiden Texte sind zwischen 10 und 15 Jahren alt. Genau kann ich das heute nicht mehr sagen. Ich weiß nur, dass ich mir so selbst Standpauken halten kann und dass das der Beweis ist – für alle, die noch gezweifelt haben: Manchmal sind Kinder schlauer als Erwachsene. Vieles von der Hoffnung und dem Vertrauen, das aus diesem Buch spricht, wurde nach und nach verschüttet und nun rüttelt mein jüngeres Ich mein heutiges wieder auf und erinnert mich daran, wie viel Kraft man aus Hoffnung und Vertrauen ziehen kann. Also unterschätzt nicht Eure Kinder, Enkel, Nichten, Neffen, kleinen Geschwister… Es kann gut sein, dass ihr noch etwas von ihnen lernt – wenn ihr mit einem offenen Herzen zuhört und hinseht und mitfühlt. 🙂

Sincerely

the wingscriber pls sig

Der Mensch und seine Früchte

Am Mittwoch sprach ich davon, dass ich beim Aufräumen die eine oder andere alte Geschichte und auch Gedichte von mir gefunden hab. Unter anderem war da ein kleines Notizbuch. Ich erkannte es sofort. A6, Ringsum mit illustrierten Delfinen bedruckt. Es lag sicher ein Jahrzehnt lang auf meinem Nachtisch. In meiner Schulzeit. Und immer, wenn mich etwas beschäftigte – im Guten oder Schlechten -, dann schrieb ich dort meine Gedanken hinein. Nicht im Sinne von „Liebes Tagebuch, heute war ein blöder Tag“. Nein, mehr in diesem Sinne…

Der Mensch und sein Lebensbaum

Ein junger Mensch pflanzte viele Samen in Töpfe. Er goss sie, hegte und pflegte sie. Und eines Tages begannen sie, zu wachsen und zu gedeihen und Knospen zu treiben. Nur ein Same wollte und wollte einfach keine Blüten bringen und wuchs langsamer und kümmerlicher als alle anderen. Der Mensch ärgerte sich sehr darüber und beschloss diesen Samen aus seinem Topf zu entfernen und wegzuwerfen. Auf seinem Heimweg warf er ihn achtlos in den Straßengraben und vergaß den Samen.

Jahrzehnte zogen ins Land und als alter Mann kam er wieder in die Gegend seiner Jugend. Die sengende Hitze des Sommers brannte und er beschloss, eine Pause zu machen. Er setzte sich unter einen großen Baum und genoss die Kühle seines Schattens. Und er war nicht der einzige. Der Baum hatte eine so große Krone, dass ganze fünf Menschen gemeinsam darunter Schutz vor der Sonne fanden. Sie kamen mit dem alten Mann ins Gespräch und erzählten ihm von einem klugen Menschen, der vor vielen Jahren den Samen für diesen Baum gepflanzt hatte, um zukünftigen Reisenden zu helfen, der vorausdachte und nicht nur an sich selbst, der sich die Zeit nahm, einen Samen zu pflanzen, der erst unscheinbar und klein war und erst lange Zeit später zu einem prächtigen Baum heranwachsen sollte.

Da wurde dem alten Mann klar, dass sie von seinem Samen und seiner Tat sprachen, und ihm wurde ganz seltsam dabei, denn er hatte einst aus ganz anderen – egoistischen – Gründen gehandelt. Nun lobten diese fremden Menschen sein Tun ohne die Wahrheit zu ahnen. An diesem Tag schwor sich der Mann, nie wieder voreilig einen Samen wegzuwerfen. Denn er hatte begriffen, dass aus jedem noch so kleinen, unscheinbaren Ding etwas Großes, Wundervolles werden kann.

wueste-sinaiUnd wenn ich heute auf diese Geschichte zurückblicke, dann fällt mir noch eine zweite Erkenntnis ein: Auch, wenn jemand etwas Unachtsames, Egoistisches tut – ohne die geringste gute Absicht –, dann kann trotzdem etwas Gutes daraus entstehen. Selbst, wenn es manchmal ein halbes Leben braucht, um das zu erkennen.

Aber ehrlich. Ganz schön schwülstig für ein pubertierendes Kind oder? Diese Geschichte stand auf einer zerfledderten Blattsammlung, die hinten in meinem Notizbuch klemmte. Ich war ehrlich überrascht. Viele Metaphern und Gleichnisse in diesem Buch hatte ich längst wieder vergessen. Und um ehrlich zu sein, hat es mir gut getan, in den letzten Tagen am Abend vor dem Einschlafen in den Gedanken meines jüngeren Ichs zu blättern. Zu der Zeit, als ich diese und ähnlich Geschichten und auch Gebete schrieb, versuchte ich trotz starkem Mobbing in der Schule zurecht zu kommen. Ich erinnere mich, wie stur ich gewesen war. Dass ich nicht die Klasse wechseln wollte, weil ich diesen idiotischen Briefen und Anrufen nicht nachgeben wollte. Ich wollte nicht, dass „die“ gewinnen. Aber, dass ich bei allen Zuhause vergossenen Tränen so optimistisch war und eher noch für die gebetet hab, die mir das antaten, das hatte ich schon fast vergessen. Heute, mit über 10 Jahren Abstand, finde ich nichts Schlimmes daran, offen über damals zu schreiben und ich versuche mich daran zu erinnern, wer ich damals war.

Ich überlege, was ich denen mit auf den Weg geben kann, denen es heute genauso geht wie mir damals. Ich habe sie gehasst, all die tollen Weisheiten um mich herum… „Lass Dich nicht unterkriegen“, „lass Dir am besten nichts anmerken“, „ignorier sie einfach“ – das sagten die einen. „Du solltest Dich wehren“, „lass Dir nicht alles gefallen“ – das sagten die anderen. Und dann gab es noch die, die mir rieten die Schule oder wenigstens die Klasse zu wechseln und die, die mir rieten, einen Psychologen aufzusuchen – das Problem könne ja schließlich nur bei mir liegen, wo sich doch der Rest der Klasse wunderbar dabei verstand, mich zu ärgern). Ich solle doch offener sein, aktiver, mich mehr beteiligen und auf andere zugehen.

Was glaubten diejenigen, die mir diese Ratschläge gaben, eigentlich, was ich tat? Ich versuchte es gleichermaßen mit ignorieren wie mit wehren. Ich versuchte das Geläster und die Blicke nicht zu sehen und mich dennoch zu melden (an meinen Mitarbeitsnoten änderte das übrigens reichlich wenig, ich war doch schließlich „die Stille“ – das änderte sich doch nicht). Keiner der tollen Tipps funktionierte. Trotzdem bin ich heute hier.

Was also kann ich anderen raten, die unter Mobbing leiden? Erst fiel mir nichts ein. Aber dann wurde es mit jedem Satz mehr. Also zähle ich meine Gedanken einfach einmal auf:

  • Du bist nicht schuld. In meinem Fall war es objektiv betrachtet recht simpel: Es fing an, schwierig zu werden, als meine Klasse und vor allem ihre Eltern bemerkten, dass wir nicht nur am Berliner Stadtrand wohnten, sondern schon immer dort lebten. Ich war die erste „Ost“Schülerin an einer „West“Schule. Warum dass Mitte der 90er so schrecklich war und ich teilweise behandelt wurde, als hätte ich eine ansteckende Krankheit, kann ich nicht sagen. Nur, dass es traurig ist. Dass wir alle Menschen sind. Und das jeder, der aus irgendeinem Grund anders ist und deshalb unter Ausgrenzung leidet, nicht schuld ist an dieser Ausgrenzung.
  • Versuch nicht jemand zu sein, der Du nicht bist. Du überstehst die Schule dann mehr im Schein als im Sein. Da ich teilweise unsichtbar für meine Klasse war, hörte ich oft genug, wie die besten Freundinnen übereinander sprachen, wenn die andere weg war. Schmeichle Dich nicht bei jemandem ein, der Dir gar nicht sympatisch ist – nur um dazuzugehören. Erkaufe Dir die Freundschaft nicht. Eine Verbindung auf Grund von Geld, Hausaufgaben oder anderen Vorteilen hat nichts, aber auch gar nichts mit Freundschaft zu tun. Das hast Du nicht verdient. Was Dir Stärke gibt, ist, dass Du Charakter entwickelst und einen eigenen Willen. Klingt nicht einfach und ist es auch nicht. Es ist dennoch mein Rat.
  • Finde einen Menschen, der Dir Mut macht. Ich rede nicht von Mitleid. Ich rede von Mut. Jemanden zu haben, bei dem man schimpfen und sich ausheulen kann (vorzugsweise Mütter oder ältere Geschwister) tun auch gut, ja. Aber Mitleid wirst Du immer schnell bekommen. Was Du aber brauchst ist Mut. Finde jemanden, der Dich stärkt, der Dir sagt, dass er an Dich glaubt und Du das schaffen kannst. Ich hatte das Glück, dass mein erster Klassenlehrer an mich glaubte, dass er mir Mut machte und verstand, weshalb ich die Klasse nicht wechseln wollte. Rückblickend trug er damals vor inzwischen fast 20 Jahren entscheidend dazu bei, dass ich heute die bin, die ich bin.
  • Richte den Blick auf die Zukunft, aber genieße auch die Gegenwart. Wie man Mobbing genießen soll? Natürlich gar nicht. Aber auch Dein Leben besteht nicht nur aus Mobbing, nicht nur aus Menschen, die Dich verletzen. Tröste Dich nicht einfach damit, dass es irgendwann vorbei ist (das wird es sein und dann wirst Du die Chance haben, einen neuen ersten Eindruck zu machen und gestärkt in deine Zukunft gehen). Finde einen Weg, auch deiner Gegenwart Gutes abzugewinnen. Je nachdem, wie introvertiert ein Mensch ist, kann dieses Gute in vielen verschiedenen Dingen liegen: Freunde jenseits der Schule, Hobbies, bei denen man andere Menschen trifft – oder für die ganz Zurückgezogenen Bücher (Bücher sind wundervolle Begleiter, sie eröffnen einem mehr Orte als man jemals bereisen könnte und erweitern Wissen und Toleranz – und sie sind ein Schutzwall, aber sie ersetzen auf Dauer keine Freunde). Trau Dich. Egal wie viele Menschen um Dich herum unfair zu Dir sind – sie sind nicht alle so.
  • Du bist nicht allein. Und das ist auch der beste Beweis dafür, dass nicht alle so sind. Es gibt viel zu viele Menschen, die unter Mobbing leiden. Und es scheint fast so, als würden es immer mehr werden. Oder es wagen immer mehr, darüber zu sprechen. Vielleicht werden auch immer mehr Menschen mutig und nehmen die ihnen zugedachte Opferrolle nicht an. Sich wehren muss nicht bedeuten, zu schreien oder zu schlagen. Ignorieren muss nicht bedeuten, wegzuhören oder die Augen zu schließen. Viele Menschen in jedem Alter treffen auf Missgunst, Neid, Unwissenheit, Ignoranz und Intoleranz.

Ich war und manchmal bin ich noch immer eine davon. Wir haben Nehmerqualitäten, wir können einstecken, aushalten. Wir können runterschlucken, was uns auf der Zunge liegt, und den Schritt mehr machen, den Mobber nicht tun können: Wir können uns in unser Gegenüber hineinversetzen und uns fragen: Warum kann dieser Mensch sein Leben nicht mit Zufriedenheit beschreiten ohne andere unzufrieden zu machen? Warum kann dieser Mensch sich nur groß fühlen, indem er andere klein hält? Und dann wird uns klar: Die Opfer von Mobbing sind die Täter. Und niemand kann uns dazu zwingen, auch ein Opfer zu sein. Wir müssen uns nicht damit abfinden. Wir können den Schritt aus dem Dunstkreis der lächerlichen Sprüchen und hilflosen Handlungen unserer Kontrahenten hinaus machen und sie einfach stehenlassen.

Und wisst ihr was? Wenn wir es schaffen, so damit umzugehen, dann ist Mobbing fast schon wie ein Same, den man weggeschmissen hat. An der Tat ist nichts, aber auch gar nichts Gutes. Aber am Ende kann dennoch ein Happy End stehen.

Sincerely

the wingscriber pls sig

P.S.: Ziemlich lang und ziemlich harter Tobak. All das sind meine eigenen Erfahrungen und Erinnerungen. Der Weg, der für mich funktioniert hat und die Erkenntnis, die ich heute habe. Ich weiß nicht, ob diese Ratschläge allen helfen können. Wahrscheinlich nicht. Aber vielleicht machen sie dem einen oder anderen Mut. Gebt nicht auf! Es lohnt sich, weiterzumachen. Glaubt nur eins nicht: Dass ihr hart werden müsst, um das auszuhalten. Damit verletzt ihr Euch selbst und die Menschen, denen ihr ehrlich wichtig seid. Die, vor denen ihr Euch schützen wollt, die interessieren sich nicht für harte Mauern. Die finden immer Schlupflöcher und Risse im Putz. Nur wer ehrlich bei Euch anklopft und offen bei Euch sein will, wird von Mauern verschreckt.

Zeit ist Geld! …Zeit mal Pause zu machen

Zeit ist Geld und Geiz ist geil. Da wird man schnell geizig mit seiner Zeit. Aber geizen wir da nicht an der falschen Stelle? Im Bestreben möglichst viel möglichst schnell und effizient zu erledigen, bleiben wirklich wichtige Dinge auf der Strecke. Mir zumindest geht das so. An den wenigen Feiertagen im Jahr – so wie jetzt zu Ostern – haken wir Pflichtbesuche und mit Plattitüden gespickte Anrufe bei Verwandten und Freunden so schnell ab, wie wir sie auf unsere To-Do-Listen geschrieben haben. Wir bestellen lieber Online, als „ewig“ durch Geschäfte zu tingeln und mit Verkäufern zu diskutieren. Wir nutzen unser Navi, um die schnellste Route zu berechnen, statt andere nach dem Weg zu fragen. Werden wir krank, müssen ein paar Tabletten reichen und dann geht es weiter. Keine Zeit zum Anhalten, zum Ausruhen, zum Nachfragen oder Kontakte pflegen. Keine Zeit, keine Zeit!

Da komm ich mir vor, wie Alice im Wunderland, wenn sie dem Hasen begegnet, der nie Zeit hat. Unsere Welt wird täglich etwas schneller. Das hat sein Gutes und ich bin froh, nicht mehr auf Brieftauben oder reitende Kuriere angewiesen zu sein. Es hat aber auch seinen Preis und das ist unsere Zeit. Aber Moment. Irgendwas läuft da schief. Wenn inzwischen alles schneller geht, sollten wir doch eigentlich mehr Zeit haben. Warum wird unser Alltag dann immer hektischer und immer voller? Warum nutzen wir die gewonnene Zeit nicht besser? Nicht mit noch mehr Aufgaben, sondern mit Zeit für uns und Zeit für die, die uns wichtig sind?

happy easter coc s

Ich stelle heute viele Fragen und ich warne Euch, es wird noch schlimmer. Wer also nicht gewillt ist, einmal kritisch hinter seinen Lebensalltag zu blicken, sollte sich besser mit den ersten beiden Absätzen zufrieden geben und dem wünsche ich an dieser Stelle besinnliche Ostertage und Zeit. Allen anderen wünsche ich das auch. Euch aber lade ich ein, noch ein paar Anregungen und Fragen mehr in die nächste Woche mitzunehmen.

Es gibt vier Berufsgruppen, denen ich mich besonders nah fühle und so wende ich nun meine Fragen nach der Zeit und ihrem Wert vor allem auf diese an: Ärzte, Journalisten, Pfarrer und Künstler. Fühlt euch eingeladen, diesem Beispiel folgend Euer Umfeld und auch Euren eigenen Job zu betrachten.

„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker.“ Von Google war nie die Rede. Dennoch gibt es immer mehr Menschen, die – sollte es ihnen nicht gut gehen – das Internet um Rat fragen. Der Vorteil und Nachteil in einem: Man findet immer das, was man sucht. Das Resultat sind wenig qualifizierte Vorabdiagnosen. Ich bin als Tochter eines klassischen Schulmediziners und Hausarztes aufgewachsen. Ihr wisst schon: Ein Arzt, dem die Patienten vertrauen. Ein Arzt, wie man ihn inzwischen vor allem in Fernsehserien oder Büchern findet, aber nur noch selten in der Realität. Einer, der sich Zeit nimmt, der Geduld hat, der seinem Patienten zuhört, weil er ihn ganz genau kennt und weiß, das ihm das wichtig ist. Zeit. Das wichtigste Medikament in jeder Therapie. Zeit und Zuwendung. Immer häufiger erlebe ich, wie Patienten heute zu Kunden werden, wie sie abgefertigt werden mit Standardlösungen. Es gibt aber keine Standardlösungen in der Medizin. Jeder Mensch ist anders. Das einzige Mittel, das zumindest jedem hilft, ist die Mischung aus Zeit und Zuwendung. Das Gefühl, ernst genommen zu werden und Zeit zu bekommen, um wieder zu genesen. Aber gerade die Zeit scheint auch das zu sein, das den Ärzten fehlt.

Und nicht nur Ärzten. Auch dem Journalismus macht die neue Geschwindigkeit zu schaffen. „Langsame“ Medien wie Tageszeitungen oder Magazine kämpfen ums Überleben. Egal was sie melden oder worüber sie berichten, Facebook und Google haben es stets vorher gewusst. Um noch mithalten zu können wird die fundierte Recherche ersetzt durch die Suche nach möglichst spektakulären Schlagzeilen. Onlinemagazine finanzieren sich über Werbung statt Inhalte. Die Journalisten, die täglich ihr Leben riskieren auf der Suche nach der Wahrheit, werden rar. Die Reporter ohne Grenzen stoßen an ihre Grenzen.

Für Ärzte sollte der Patient im Mittelpunkt stehen und für Journalisten die Wahrheit, die Botschaft, die zu erzählen ist. Zwei Dinge, die auch für einen Geistlichen das Zentrum darstellen sollten. Während meines Studiums wurde mir deutlich, wie schwer es heute ist, Mensch und Botschaft in diesem Zentrum zu halten. Bürokratie, Geldmangel, Wettbewerb und der Wunsch, „in“ zu sein, nehmen viel Platz ein. Dabei ist gerade das „Zeit für seine Mitmenschen Nehmen“ etwas, das den Pfarrer auszeichnen sollte.

Ich nehme an, ich könnte ähnliche Auswirkungen auf jede Berufsgruppe beschreiben. Vor allem in Bereichen, in denen Menschen mit Menschen arbeiten. Auf der Buchmesse vor einer Woche hörte ich mir einen Vortrag für Illustratoren an, die selbstständig arbeiten und davon leben wollen. Einmal mehr begegnete mir eine Grafik: Ein Dreieck, an dessen Spitzen die Worte „Qualität“, „Zeit“ und „Geld“ standen. Die Botschaft hinter diesem Dreieck ist simpel: Es gehen immer nur zwei der drei Spitzen gleichzeitig. Wer Qualität und Schnelligkeit will, muss diese Leistung entsprechend bezahlen. Wer Qualität möchte und nicht viel zahlen kann oder will, muss dafür länger warten. Und wer nicht viel Geld investieren möchte und ebenso wenig Zeit, der darf nicht mit Qualität rechnen. Wendet man dieses Diagramm auf meine Beispielberufe oder einfach auf seinen eigenen Alltag an, dann sieht man gleich, auf welchen zwei Spitzen unsere Gesellschaft heute ruht. Zeit ist Geld und Geiz ist geil. Schnell und billig ist die Devise. Was aber bleibt da auf der Strecke, wenn wir alles vor allem schnell und günstig wollen?

Richtig. Die einsame dritte Spitze des Dreiecks. Aber ich meine nicht nur die Qualität von Produkten. Ich rede auch von der Qualität von Beziehungen und von unserer ganz eigenen Lebensqualität. Wir haben mehr Zeit als früher. Wir sollten sie in Wert und Qualität investieren. Der einzige Zeitdruck, den wir haben sollten, ist der Tod, der einen jeden von uns erwartet, dessen Stunde wir aber nicht kennen und der unserem Leben so Werte und Prioritäten verleiht. Wir müssen uns entscheiden, was wir mit unserem Leben anfangen wollen, wofür wir hier sind. Denn unsere Zeit ist begrenzt durch diese ultimative Deadline.

Wofür also leben wir? Um mehr und schneller im Laufrad zu strampeln? Was wollen wir wirklich? Wofür machen wir das alles? Für unsere Kinder? Für die nächste Generation? Das sind sehr gute Gründe. Wichtige Gründe. In jedem Fall besser, als ziellos in den Tag hinein zu leben. Aber sollte das wirklich alles sein? Wenn jeder nur für das lebt, was noch kommt, wer lebt dann im Jetzt? Wenn jeder nur durch die Gegenwart hetzt, um in Zukunft ein besseres Leben zu haben, wer kann sich dann glücklich schätzen mit dem, was er hat?

In diesem Sinne: Nutzt den morgigen freien Tag (und sollte er für Euch nicht frei sein, dann den nächsten freien Tag), um etwas Zeit in die Qualität Eures Lebens und Eurer Beziehungen zu stecken. Das wünsche ich Euch.

Sincerely

the wingscriber pls sig