Welcome to my world.

Month: Juni, 2018

Eine spontane „Predigt“

Eine liebe Leserin fand gestern heraus, dass ich eigentlich Theologin bin und hat prompt angekündigt, zu meiner ersten Predigt kommen zu wollen. Nun, für die ist sie leider deutlich zu spät dran. Aber ihre Worte ließen mich ins Grübeln kommen.

Predigen, was ist das eigentlich?

Für die meisten da draußen handelt es sich wohl um einen eher negativ konnotierten Begriff. Jedenfalls außerhalb der Kirchenmauern (unter den regelmäßigen Sonntagsgäste einer Kirche fällt das Urteil hoffentlich positiver aus)…

»Eine Gardinenpredigt halten«

»Wasser predigen und Wein trinken«

»Ja, ja, du predigst mir das ja täglich«

Eine Predigt, das ist für viele der Inbegriff für Langeweile, Scheinheiligkeit und ›gut gemeinte Ratschlägen‹.

Warum ist das so? Verbinden wir die Figur auf der Kanzel mit demjenigen, der mit erhobenem Zeigefinger »Du, du, du« sagt, obwohl wir ihn für Weltfremd halten?

Ja, heute vielleicht. Und vielleicht auch ab und an zu Recht. Aber diese Redewendungen sind älter. Sie stammen doch eher aus einer Zeit, in der Glauben noch ›in‹ war.

Warum also das harte Urteil?

Die Gardinenpredigt war die Zurechtweisung des Ehemanns durch seine Frau – aber im Privaten, hinter den Gardinen des Ehebetts (das waren damals noch ›Himmelbetten‹), so dass der Mann nicht öffentlich bloßgestellt wurde. Da ging es also nicht um das Bloßstellen oder Schlecht Machen des Partners, sondern um das Aufzeigen von Problemen in einem geschützten Rahmen. Also die nette Version der Standpauke.

Wasser predigen und Wein trinken … Das stammt von Heinrich Heine. Menschen sind fehlbar. Egal ob sie predigen oder nicht. Und gerade dann, wenn man von ihnen erwartet, es nicht zu sein. Wenn man bedenkt, dass Jesus in der Bibel aus Wasser Wein gemacht hat, ist die Metapher eigentlich anders herum treffender. Man könnte es positiv doch auch so ausdrücken: Gottes Wort macht aus dem Wasser eines mittelmäßigen Predigers und wenig vorbildlichen Menschen Wein für die Hörer seiner Predigt.

Und das Predigen des »Du, du, du« mit erhobenem Zeigefinger? Ich denke, unbequem zu sein, ist eine der Hauptaufgaben einer guten Predigt. Die Wahrheit ist selten bequem und am meisten zwickt sie ihren Hörer, wenn der genau weiß, dass es sich um die Wahrheit handelt.

»Ich predige dir ständig, nicht so schnell zu fahren!«

Meist geht es um Verbote, oft im ›Ich habs Dir ja gesagt‹-Stil hinterher. Sie sind gut gemeint. Meistens. Aber hören wollen wir sie trotzdem nicht.

So wie eine gute Predigt sind solche Ermahnung wie ein Spuk im Kopf, ein Mindfck. Man wird den Gedanken daran nicht mehr los. Meistens liegt das daran, dass man irgendwo in seinem Hinterkopf weiß, dass das Gegenüber recht hat. Dass man wirklich zu schnell gefahren ist – sonst wäre der Unfall wahrscheinlich glimpflicher ausgegangen.

 

Aber bis hierhin habe ich das Bild der Predigt nur mittels sprachlicher Phrasen und Vorurteile definiert. Ja, Predigt soll ermahnen, den Finger auf die richtige Stelle legen. Aber sie soll genauso auch ›erbauen‹, wie es so schön heißt. Also Kraft schenken, einen wieder aufbauen, helfen, sich wieder aufzurichten.

Genaugenommen soll sie jedem Hörer genau das geben, was er braucht. Sei es eine helfende Hand, ein ermutigendes Lächeln – oder ein Tritt in den Allerwertesten.

Im Grunde ist eine Predigt damit nichts anderes als die ›private Standpauke‹ – die Gardinenpredigt eben – oder das Schulter Klopfen Deines besten Freundes. Eines Menschen, der Dich mindestens so gut kennt, wie Du Dich selbst. Übrigens etwas, das ein gläubiger Mensch auch Gott nachsagt.

Dem Prediger natürlich nicht.

Es sei denn, er ist dein bester Freund. Das kann vorkommen. 🙂

Wenn ich auf meinem Blog also wieder Sonntagsgedanken und Moralpredigten zum besten gebe und bei dem einen oder anderen vielleicht etwas am Herz oder Hirn kratze, dann überlegt, was ich wohl erreichen wollte. Keine Ahnung, ob ich etwas anderes predige, als ich lebe. Ich hoffe es nicht. Aber dieses Urteil müsst ihr fällen. Mein Wunsch aber ist, das Wasser meiner Worte in Wein für Eure Seele zu verwandeln. Und ab und an den Spiegel vorzuhalten – und sei es nur, damit ihr Euch und Eure Herausforderungen mal aus einer anderen Perspektive betrachtet.

Was habe ich mich am Anfang dieser »Predigt« (die sich in diesem Moment langsam zu einem Roman entwickelt – in diesem Fall auch nicht sehr positiv konnotiert) gefragt?

Was bedeutet Predigen?

Um gut zu predigen muss man »den Leuten aufs Maul schauen«, das hat schon Luther gewusst. Die Sprache der Hörer kennen. Der Leser. Das ist auch für einen Autor wichtig. Für jeden, der eine Botschaft hat, die gehört und gelesen werden will. Und wenn wir unserem Gegenüber aufs Maul geschaut haben, dann sollten wir danach am besten durchs Ohr, mit Abstecher zum Großhirn direkt ins Herz treffen.

Ob das immer klappt, das sei dahingestellt. 🙂

Sincerely

Eine lange Woche und der Self-Publishing-Day 2018

Wäre es einfach gewesen, wäre es keine gute Geschichte geworden.

Eine lange „Woche“

Die Woche nach Pfingsten war in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung für mich. Sie begann mit einem spontanen Pfingstbesuch durch meine Agentencrew von Mission:Change. Wir waren zum ersten Mal seit viel zu langer Zeit (Jahren) wieder alle vier vereint und haben gemeinsam die Gärten der Welt in Berlin unsicher gemacht. Schaut doch mal in die Bilder rein. Einer meiner absoluten Lieblingsplätze in der Hauptstadt. Aber die Belohnung dieses Ausflugs war mein erster Muskelkater seit langem.

Gut … seit einer Woche. Denn davor führten für mich alle Wege nach Rom. Eine der schönsten Städte, die dieser Planet zu bieten hat. Dementsprechend viele Kilometer und Stufen habe ich dort innerhalb einer knappen Woche hinter mich gebracht. Und dementsprechend viele Bilder habe ich gemacht. Wollt ihr mal reinschauen? Highlight war mein (zugegeben nicht ganz reales) Meeting mit Julius Caesar für ein Fotoshoot in Roma.

Und dann war da – nach all den anstrengenden, aber schönen Erlebnissen – diese schrecklich erschreckende Abkürzung „DSGVO“, die viele meiner geschätzten Kolleginnen und viele engagierte Blogger von ihren Webseiten gejagt hat. Bis in die Morgenstunden des Freitag habe ich an meinen verschiedenen Webseiten gesessen, Datenschutzerklärungen nach anwaltlicher Beratung eingefügt, SSL-Zertifikate beantragt und all die Dinge angeleiert, die jenseits der Internetsicherheit nun noch relevanter sind. Das kostete mich einiges an Schlaf und Nerven – genauso wie der mit all dem verbundene Serverwechsel (ich gebe gern zu: ja, ich hätte früher mit den Vorbereitungen anfangen sollen).

Kein Wunder also, dass ich nicht nein sagen konnte, als mich Christian Milkus am Freitagabend zu einem Berliner Autorentreffen eingeladen hatte. Für einen Autor – jenes Wesen, das eher als Einzelgänger verschrien ist – gibt es nämlich nichts Gesünderes und Regenerierenderes, als sich mit seinesgleichen zu treffen. Der Haken an dieser seelischen Erbauung war nur die Uhrzeit, zu der ich es nach dem Packen meines Koffers endlich ins Bett schaffte.

Das Resultat waren ganze zwei Stunden unruhigen Schlafs (begründet in der Panik zu verschlafen) bevor ich mich auf den Weg nach Düsseldorf machte – zum Self-Publishing-Day 2018. Direkt das nächste Event, auf dem ich mich als Autorin zuhause fühlen durfte.

Der Self-Publishing-Day 2018 in Düsseldorf

Den Self-Publishing-Day lernte ich dank meines ehemaligen Schützlings und meiner lieben Kollegin E.R. Swan schon früher kennen. In diesem Jahr bin ich nun recht spontan als Speaker eingesprungen. Wer mich kennt, der weiß, wie gern ich nicht nur schreibe, sondern auch rede. Bei aller Nervosität hat mir der Vortrag so auch dieses Mal viel Spaß gemacht.

Wenn ich meine Workshops und meine Vorträge vergleiche, dann merke ich, dass mir bei Vorträgen die direkte Interaktion mit meinen Zuhörern fehlt. Sie kann nicht so intensiv sein, wie bei einem Workshop. Dennoch durfte ich die Erfahrung machen, dass meine Zuhörer mir tatsächlich zuhörten. Zuhören ist keine Selbstverständlichkeit. Schon gar nicht, wenn der eigene Vortrag der vorletzte Beitrag nach einem langen (und verflucht heißen) Tag voller Input ist. Umso dankbarer bin ich all den lieben Kolleginnen und Kollegen, die weder gegangen sind, noch eingeschlafen.

Aber der Vortrag war nicht mein einziges Highlight an diesem Tag. Davor hatte ich die Freude, mein erstes Radiointerview zu führen – mit dem Literaturradio vom Freien Deutschen Autorenverband – LV Bayern. Gestern ging es Online und so will ich gar nicht viel darüber verraten – außer dem Link zum Interview: Hört mal rein. Übrigens finden sich dort auch lauter andere interessante Interviews, die während des SP-Days aufgenommen wurden – und auch viele andere spannende Inhalte. Stöbert doch mal durch die Website – nach meinem Interview. 😉

Darüber hinaus habe ich lauter großartige Menschen wiedergesehen und neu kennengelernt. Im Nu hatte sich unsere schreibwütige Rotte zusammengefunden. Und ich hab die armen Mädels wahrscheinlich nahezu tot gequatscht. Trotzdem sind sie in der Nacht freiwillig mit mir zum Rheinufer gekommen, um das große Feuerwerk zum Abschluss des Düsseldorfer Japantages zu sehen. Für mich – und auch die anderen – war es tatsächlich das erste Mal, dass wir dieses besondere Feuerwerk live zu Gesicht bekommen haben. Es war phänomenal. Und statt es einfach für mich zu genießen, kam ich auf die verrückte Idee, es live in meiner Instagramstory zu teilen (mit der linken Hand) und parallel Fotos zu machen (mit der rechten Hand). Ich bin gespannt, ob die Bilder brauchbar sind. Ich hoffe es sehr.  … [Nach der Sichtung und Bearbeitung:] Ja, ein paar Bilder haben auch frei Hand geklappt. Schaut doch auch da mal rein.

Eigentlich sollte man meinen, eine lange Woche, eine sehr kurze Nacht und ein aufregender Tag würden für Müdigkeit sorgen, aber was soll ich sagen: Stattdessen folgte noch eine entspannte Plauderei bei Pizza und Wein bis zwei Uhr in der Nacht. Es gibt schließlich nichts besseres, als im Sommer die Zeit des Tages zu genießen, in der man sich ungestraft durch Hitze im Freien aufhalten kann – und das dann auch noch mit einer reizenden Kollegin.

Allerdings sorgt jede lange Nacht in mir automatisch für eine latente Panik, am kommenden Morgen zu verschlafen. Vor allem, wenn man in einem Einzelzimmer übernachtet und am nächsten Tag pünktlich auschecken muss. Geschlafen hab ich trotzdem diesmal wie ein Stein. Und was soll ich sagen: Ich bin pünktlich aufgewacht (wenn man in diesem Stadium schon von „wach“ reden kann) und hatte die Freude, dieses Abenteuer mit einem tollen Frühstück ausklingen zu lassen, bei dem ich direkt noch weitere Schreib- und Literaturwütige kennenlernte.

Tja, und das war meine vergangene Woche.

Ein spontaner Sonntag

Nein.

Noch nicht ganz.

Wenn ich nämlich in NRW bin, dann gibt es so einige Freunde, die Ansprüche erheben. 😀 Und ich auch. Meine liebe Agentenfreundin Tatjana holte mich ab und machten uns auf den Weg nach Xanten (eine relativ spontane Idee). Nun ja. Wie das so mit spontanen Ideen ist: Sie können durch noch spontanere Ideen abgelöst werden.

Erste Planänderung: Zwischenstopp auf der Burg Linn bei Krefeld. Das Schild an der Autobahn – zusammen mit Tatjanas Ortskenntnis und Empfehlung – sorgten dafür, dass ich eine wunderschöne mittelalterliche Burg kennenlernen durfte. Zusammen mit dem kleinen aber feinen dazugehörigen Jagdschloss. Ein paar Bilder habe ich auch hier gemacht – ihr kennt mich. Ich kann nicht ohne. 🙂 Wollt ihr mal reinschauen? Die Küche im Jagdschloss ist zauberhaft!

Hätten wir zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, was unsere zweite Planänderung vorsehen würde, hätten wir uns beim Frühstück und auf der Burg Linn weniger Zeit gelassen. Denn kaum hatten wir Xanten erreicht und von Ferne einen Blick auf die römischen Überreste geworfen, kam uns ein neuer Gedanke. Wir waren

Gar nicht so weit weg von den Niederlanden. Und das wiederum hieß: Wir waren nicht weit weg von dem, was uns an diesem heißen Tag Kühlung verschaffen konnte: Der Nordsee. Kurzerhand rechneten wir mittels Navi aus, was so möglich war und es stellte sich heraus: Wenn wir direkt losführen, dann hätten wir eine gute Stunde am Stand von Zoutelande.

Fünf Stunden im Auto für eine gute Stunde am Strand? Manchmal macht man solch verrückte Dinge. Zumindest wenn die Reisebegleitung stimmt und einem auch das Autofahren selbst Spaß macht. Manchmal, das war am vergangenen Sonntag fällig.

Der Hinweg lief super. Keine Staus oder andere Ärgernisse auf der Straße. Wir lagen super in der Zeit. Zu schaffen machten uns nur die Gewitterwolken, die sich über uns zusammenbrauten. Aber da sowohl Tatjana als auch ich hoffnungslose Optimisten sind, fuhren wir dennoch stur weiter. Immerhin waren wir inzwischen schon fast da!

Kaum kam das erste Hinweisschild für Zoutelande verzogen sich die düsteren Wolken und hinterließen nur eine dunkle Vorahnung am Horizont. Unsere Stunde am Strand erhielt schönsten Sonnenschein, der zusammen mit dem Wasser der Nordsee an den Füßen und der milden Seeluft im Gesicht eine wirklich schöne Mischung ergab. Allerdings zogen am Ende unserer Frist von der See aus neue dunkle Wolken auf. Wir beschlossen, etwas früher als geplant den Rückweg anzutreten.

Dass diese Entscheidung bahntechnisch meine Rettung war, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir klopften uns lachend den Sand von den Füßen und blickten mit einem Staunen im Gesicht dem drohenden Unwetter entgegen. Vom Auto aus sah es nicht mehr ganz so beängstigend aus wie am Strand.

Beängstigend hingegen waren die nicht enden wollenden Umleitungen und der viel zu lange Stau wegen einer Brückensperrung auf dem Rückweg. Hilflos musste ich zusehen, wie aus unserer guten Stunde Puffer immer weniger Minuten wurden.

Tatjana hat am Steuer wahre Wunder vollbracht und mich dann ganze fünfzehn Minuten vor der Abfahrt meines Zuges am Bahnhof rausgeschmissen und so kam ich gerade noch rechtzeitig auf dem Bahnsteig an.

Happy End

Die Woche – oder vielmehr Wochen – waren eine Herausforderung. Die Wochenenden auch. Auf seine ganz eigene, besondere Weise. Aber ich will nicht eine Minute davon missen. Und wäre es nicht so spannend und knapp am Ende geworden, wäre die Geschichte doch auch nur halb so schön zu erzählen gewesen. Wer als Autor Wert auf einen Spannungsbogen in seiner Geschichte legt und seinen Protagonisten dafür das Leben schwer macht, darf sich eben nicht beschweren, wenn er selbst in seinem Leben ähnlichen Spannungsbögen ausgesetzt ist.

Wieder in Berlin bekam ich übrigens diesen beeindruckenden Himmel zu sehen. Bilder aus Zoutelande bekommt ihr erst Ende Juli zu sehen. Da werde ich nämlich das nächste Mal dort sein. Und dann nicht nur für eine Stunde. 🙂

Sincerely