The Cronos Travel Diaries – Part III: London

by MaryCronos

London Covent Garden. Locker bewölkt. Die Neugier steigt.

Tag Zwei ist da und beginnt etwas grauer und windiger als der gestrige. Werden wir doch noch das klassische, verregnete London zu Gesicht bekommen oder entspricht das Wetter nur meinem Wunsch, während unseres dreistündigen Stadtrundgangs etwas weniger heiß zu sein? Wir werden sehen…

Der morgendliche Blick aus dem Fenster bescherte uns 50 Shades of Walls. Da war die hölzerne Palisade, die unseren Garten aus Beton von dem der Nachbarwohnung trennte. Da waren die ehemals weiß gestrichenen Wände, die mit obskuren Mustern aus Rost, Dreck, Rissen und Löchern dekoriert waren. Und da waren die vielen Mauerwerke, die in Farbe, Höhe und Form variierten. Der graue Himmel nahm dagegen erstaunlich wenig Platz im Bild ein. Im Grunde war das gut so. Grauer Himmel war so schrecklich trist und demotivierend.

Als Wecker diente der Fernseher eines anderen Mieters, zusammen mit dessen Herumgetrampel über unseren Köpfen. Ein Soft Wakening, wie es die Sonne nicht vermocht hätte. Ein willkommener Grund, um sich – mit dem Bett im Chor ächzend – von der viel zu weichen Matratze zu rollen und dem neuen Tag eine Chance zu geben.

Nein, nein. So schlimm war es nicht. Vor allem nicht, da wir uns weder von Betonwänden noch von Wolken am Himmel die Laune hätten verderben lassen. Schon um einiges cooler zücken wir am Eingang der Tubestation unsere Oystercard und fahren zielstrebig zum Covent Garden. Dort startet unsere London-Tour. Drei Stunden quer durch die City – zu Fuß. Ivo, unser Guide, lässt die Tour verstreichen, als wären es drei Minuten gewesen. Mit Witz und Schlagfertigkeit bringt er uns London näher mit all seiner Architektur und Geschichte, seinen Macken und Menschen. Hashtag: ThePopeSucks. Und ich wünsche mir mehr Menschen wie ihn – in unseren Schulen als Lehrer.

Auf unserer Tour sehen wir zu viel, um sofort alles zu behalten: Viele große Plätze mit schicken Springbrünnen und einem überdimensionalen Daumen (Trafalgar Square), Uhrentürme, deren Glocken von dicken Männern entworfen wurden (Big Ben), Kirchen, für deren Gottesdienste die Menschen einen Kilometer weit anstehen (Westminster Abbey), Parlamentsgebäude, die älter aussehen als sie sind (Palace of Westminster), düstere Gassen, in denen dunkle Magie gewirkt wird (Harry Potters Nokturngasse).

Wir sehen alte Backsteinhäuschen zwischen gläsernen, modernen Riesen, öffnen mit dem Handy in der Hand rote Telefonzellen und versuchen Busse zu kriegen – aufs Bild, denn wir laufen trotzdem lieber (Rush Hour in der Tube reicht uns als öffentliche Sauna-Erfahrung). Wir flanieren durch den St. James Park, legen uns mit Tauben und Gänsen an und finden unsere zukünftige Lieblingsanlaufstelle, wenn wir Hunger bekommen: Pret a Manger. Lecker, frisch und nachhaltig.

Und dann passiert endlich, was ich bis dahin schon vermisst hatte: Fotografieren. Während der Tour war das, was meine Kamera machte, maximal Knipsen. Aber nun, da wir allein nochmal ein paar besonders schöne Flecken der Route aufsuchten, kann ich endlich fotografieren. Ines ist ein zauberhaftes Model und eine engagierte Schülerin, wenn es darum geht, auch mich mal vorm Big Ben zu fotografieren. Der natürliche Lebensraum des Fotografen ist bekanntlich hinter der Kamera. Wir stellen uns nicht gern selbst vor die Linse. Aber hier in London freue ich mich über jede Erinnerung, die auch mich in dieser schönen Stadt zeigt. Dafür klettern wir sogar auf Brückengeländer. Ich habe Mama Themse gebeten, uns nicht ins Wasser zu holen (Wer wissen will, warum, der sollte ›Die Flüsse von London‹ lesen).

Schön war auch der blumige Ausklang unseres Tages: Während das Sonnenlicht immer goldener wurde, kamen wir wieder bei Covent Garden an. Wir lauschten erst einer Opernsängerin in einer der Markthallen und setzten uns dann zwischen die Säulen am Rande des Spektakels und genossen das Gitarrenspiel eines Straßenmusikers. Um uns herum rauschte der Trubel der Großstadt und um uns herum stand die Zeit still. Ein perfekter Abend.

Bei allem Schönen und Aufregenden werde ich aber auch den Schatten nicht vergessen, der über diesem Tag und auch den folgenden lag: Der Anschlag von Manchester. Wir erfuhren erst am Morgen davon und waren wie gelähmt. Wie wohl viele Menschen in London drehten wir uns immer einmal mehr um. Den ganzen Tag über kreisten mehrere Hubschrauber über der Stadt, überall war schwer bewaffnete Polizei und es verging keine halbe Stunde, in der man nicht irgendwo Sirenen hörte. Ob das im Zweifelsfall einen Anschlag verhindert hätte, wussten wir nicht, aber wir verstanden, dass diese Präsenz vor allem eins war: Eine Beruhigung für all die Menschen, die nun etwas nervöser durchs Zentrum Londons liefen. Wer hätte ahnen können, dass es kurz nach unserer Heimkehr tatsächlich zu einem weiteren Anschlag – diesmal direkt in London – kommen würde…

Aber ich möchte meinen Bericht nicht zu sehr mit diesen Ereignissen trüben. Denn London hat es nicht verdient, dass der Terror einen größeren Platz in unseren Köpfen einnimmt, als all die Schönheit und Freiheit, die diese einzigartige Stadt zu bieten hat. Ich möchte nur ein kleines Stückchen Platz schaffen für die, die wegen dieses Abends am 23. Mai nicht mehr unter uns sind.

Aber wenn mir dieses schreckliche Ereignis etwas klargemacht hat, dann wie schnell das Leben enden kann – egal wie alt oder gesund wir sind, egal wie viel wir noch mit unserem Leben vorhaben. Und genau deshalb hat kein Terror und kein Unglück das Recht, uns einen Teil unserer begrenzten Zeit hier auf Erden streitig zu machen. Und genau deshalb sind wir nicht erschrocken zurückgeflogen, sondern haben London mit noch mehr Begeisterung und Leidenschaft kennengelernt. Der Terror hat keine Aufmerksamkeit verdient. Das Leben verdient die Schlagzeile.

Und damit ihm auch nicht das letzte Wort gilt, schicke ich Euch hiermit weiter zu den passenden Fotos des Tages:
London Tag 2


 

London Covent Garden. Cloudy. The curiosity rises.

Day two is here and starts a bit more grey and windier than yesterday. Will we still get to see the classic, rainy London, or does the weather only correspond to my desire to be slightly hotter during our three-hour tour of the city? We will see… The morning view from t

 

he window gave us 50 Shades of Walls. There was the wooden palisade, which separated our concrete garden from that one of the neighbor apartment. There were the white-painted walls, decorated with obscure patterns of rust, dirt and holes. And there were the many masonry structures that varied in color, height and shape. The grey sky, on the other hand, took up surprisingly little space in the picture. Basically that was good. Grey sky is so terribly dreary and demotivating. The television of another room served as an alarm clock, along with the owner’s trampling over our heads. A soft wakening. A welcome reason to get up and give the new day a chance. No no. It was not so bad. Above all, we had not let ourselves be spoiled by concrete walls or clouds in the sky. A lot more confident then yesterday we arrived at the entrance of the tube station with our Oystercards and drove purposefully to the Covent Garden. Our London tour starts there. Three hours across the city – by foot. Ivo, our guide, lets the tour pass, as if it had been three minutes. With jokes and repartee, he brings us closer to London and all its architecture and history. Hashtag: ThePopeSucks. And I want more people like him – in our schools as teachers.

On our tour, we see too much to keep it right away: many large squares with fancy fountains and an oversized thumb (Trafalgar Square), clock towers, whose bells were designed by fat men (Big Ben), churches where people are waiting in line for their worship services (Westminster Abbey), Parliament buildings that look older than they are (Palace of Westminster), dark alleyways where dark magic works (Harry Potter’s Knockturn Alley). We see old brick houses between glassy, modern giants, open cell phones with red phone cells and try to get buses – in the picture, because we prefer to run (Rush Hour in the tube is enough for us as a public sauna experience). We stroll around the St. James Park, we mess with pigeons and geese and find our future favorite spot when we get hungry: Pret a Manger. Delicious, fresh and lasting. And then finally, what I had already missed: photography. During the tour, what my camera did was snapping. But now that we have once again visited a few particularly nice spots of the route, I can finally take pictures. Ines is an enchanting model and a dedicated student when it comes to taking pictures of me even in front of the Big Ben. The natural habitat of the photographer is known behind the camera. We do not like to stand in front of one by ourselves. But here in London I am happy about every memory that shows me in this beautiful city. For this we climb even on bridges. I have asked Mama Thames to not get us into the water (who wants to know why, should read „The Rivers of London“)

The flowery ending of our day was also beautiful: while the sunlight was becoming more and more golden, we came back to Covent Garden. We first listened to an opera singer in one of the market halls and then sat down between the columns on the edge of the spectacle and enjoyed the guitar playing of a street musician. Around us was the hustle and bustle of the big city, and the time around us stood still. A perfect evening.

With all the beauty and excitement I will not forget the shadow that laid over this day and the day afterwards: The attack of Manchester. We heard of it only in the morning and were paralyzed. Like many people in London, we always turned around. Throughout the day, several helicopters circled over the city, heavily armed police were everywhere, and no half an hour passed when we did not hear sirens anywhere. Whether this would have prevented an attack in case of doubt or not, we understood that this presence was above all one thing: a reassurance for all the people, who now ran a bit nervously through the center of London. Who could have guessed that shortly after our return to Germany, there would be another attack – this time directly in London …

But I do not want to muddle my report too much with these events. Because London does not deserve that terror takes a bigger place in our heads than all the beauty and freedom that this unique city has to offer. I just want to make a little bit of space for those who are no longer with us because of this evening on 23 May.

But if this terrible event has made one thing clear, then how fast life can end – no matter how old or healthy we are, no matter how much we still have with our lives. And precisely for this reason, no terror or misfortune has the right to contest a part of our limited time here on earth. And that is why we have not flown back in a frightened way, but have met London with even more enthusiasm and passion. Terror doesn’t deserve any attention. Life deserves the headline.

And so he does not have the last word, I would like to send you to the right photos of the day. Click on that strange round landscape-picture or here.

 

Sincerely