The Cronos Travel Diaries – Part IV: London

by MaryCronos

London Camden Market. Sommerlich. Der Nervenkitzel steigt.

Tag Drei – alias der Tag der Abenteuer begann wieder deutlich sonniger. Um nicht zu sagen: Es war heiß. Hatte nicht jeder behauptet, in London würde es immer regnen? Bisher war uns noch kein einziger Tropfen begegnet.

Unser erstes Abenteuer führte uns am Vormittag auf den Camden Market. Das war ein ›Geheimtipp‹, den Ines bekommen hatte. Als wir aus der stickigen Tube stiegen und ringsum nur zwei kleine Budenansammlungen fanden mit Touri-Krempel, kroch uns die Enttäuschung in die Knochen. Vor allem Ines war sie deutlich anzusehen – hatte sie mich doch überredet.

Warum ich ihr für kaum etwas so dankbar bin, wie für diese Idee, werdet ihr jetzt erfahren:

Die Souvenirstände waren nur zum Abgreifen von verwirrten Touries wie uns gedacht. Zum Glück ließen wir uns aber nur kurz verwirren und liefen dann stur weiter die Straße hinauf – in der vagen Hoffnung, nicht völlig umsonst hergekommen zu sein. Und schon diese Straße – die Camden High Street – schien sich zu lohnen. Die Häuserwände waren wie riesige Leinwände und die Straße eine einzige Galerie. Es gab kein Haus, das nicht bemalt und unglaublich kreativ umgestaltet worden war – dreidimensional. Da schlängelten sich Drachen übers Dach, riesige Schuhe liefen die Wände hinauf und Engel in der Höher der Häuser erhoben sich darüber. Zu beschreiben, was wir gesehen haben, so dass Ihr es nachvollziehen könnt, ist schwer. Die Szenerie war einfach zu absurd! Und das sagt eine Autorin, die gerade an einer ganzen Fantasywelt schreibt und die bildlich beschreiben kann… Aber zum Glück bringt dieser Bericht ja auch genügend Fotos mit sich. Das sollte helfen.

Und dann war es endlich so weit. Wir erreichten einen der vielen Eingänge zum echten Camden Market und als wir ihn betraten wussten wir, dass wir jetzt richtig waren. Und selbst wenn wir nicht richtig gewesen wären – hier hätten uns keine zehn Pferde so schnell wieder fort bekommen. Eigentlich ist Camden Market gar nicht ein Markt. Es ist vielmehr eine unstet gewachsene Masse von unzähligen völlig verschiedenen Märkten. Zuerst betraten wir einen kleinen Bereich, der durch eine Eisen-Glas-Konstruktion überdacht war und in dem es vor allem handgemachten Schmuck gab. Dann betraten wir ein Haus mit zwei Etagen und einem Lichthof in der Mitte. Die Säulen, die ihn trugen, waren bunt und wunderschön verziert. Auch hier gab es vor allem Kunst zu sehen. Malerei, Zeichnungen, Skulpturen, Stoffe… Wir glaubten, alles gesehen zu haben, als wir auch in die zahlreichen Nebenräume und Nischen geschaut hatten, doch dann entdeckten wir, dass einer dieser Nebenräume einen Ausgang hatte, der auf eine Brücke führte. Von der Brücke aus sahen wir überall Boden, wir durchquerten ein weiteres Haus und landeten auf dem Umgang eines großen Innenhofs am Wasser. In der Mitte schwammen Boote, ringsum stand Bude an Bude – in jeder roch es köstlicher als in der zuvor. Beim Versuch, uns zu entscheiden, flüchteten wir durch einen weiteren Durchgang – diesmal zu ebener Erde – und landeten in einer Art gestreckten Innenhof. Hier gab es Kleider über Kleider und zu meinem Leidwesen einen Stand mit alten Kameras und Schreibmaschinen. Hätte ich nicht schon auf dem Hinflug eine obszöne Summe von meiner Kreditkarte hobeln müssen, um mein Übergewicht zu bezahlen (das meines Koffers, mich haben sie so mitgenommen), dann wäre ich schwach geworden. Oh ich wäre so, so gern schwach geworden.

Wir zwangen uns zum Geld Sparen und liefen stur den Hof hinunter und glaubten, nun endlich das Ende erreicht zu haben. Aber am Ende des Hofs erkannten wir, dass sich zu unserer Linken eine weitere ›Gasse‹ an den Hochbahngleisen entlangschlängelte. Hier waren wieder die deftigen Gerüche der verschiedenen Food-Booths vorherrschend. Wir zwangen uns vorbei an lauter Leckereien und standen dann – auf dem ersten Blick – in einer Sackgasse. Bei genauerer Betrachtung stellten wir aber fest, dass sich der Weg dreiteilte. Systematisch arbeiteten wir uns durch und stellten fest, nun im Horse Tunnel Market zu sein. Von dort ging es zum Stables Market.  Überall waren schöne Schnitzereien mit Pferdeköpfen, Bronzefiguren und Geschäfte in ehemaligen Stallungen. Das Flair dieses Marktes ist ebenso unbeschreiblich wie die Art Gallery Straße davor. Er zeigt eine Vielfalt, wie ich sie nicht einmal auf Suqs in Damaskus oder Kairo gesehen hatte. Und schon, sich einmal im Kreis zu drehen, sorgte dafür, dass man neue Geschäfte sah und im Austausch dafür vergaß, wo man hergekommen war. Aus unerfindlichen Gründen behielt ich dort den Überblick – eine Tatsache, die uns davor rettete, auf diesem Markt als vermisst zu gelten. Aber mit jeder Tür, jeder Treppe, jeder Kurve krochen wir tiefer in diesen unendlichen Kaninchenbau. Immer wieder lasen wir Schilder a la ›Walk here for more shops‹.

Als wir uns dann doch noch für ein Mittagsmahl entscheiden hatten können, drängte die Zeit auch schon für mein nächstes Highlight. Wir machten uns auf den Weg nach Waterloo (Shit! Ist dieser Bahnhof groß!) und liefen dann an der Themse entlang zum London Eye – mit einem kleinen Abstecher auf die Golden Jubilee Bridge. Wir winkten Mister Bond und unseren Kollegen vom MI6 und flanierten über den The Queen’s Walk zum London Eye.

Nach langen Kämpfen mit sich selbst entschied sich Ines doch eher für die Observation vom Boden der Tatsachen und sonnte sich in den Jubilee Gardens, während ich mich mit unserer Volunteer Agentin Anika und ihrem Freund auf das Eye wagte, um uns einen kleinen Überblick zu verschaffen.

Ich gebe zu, dass gerade angesichts der erhöhten Polizei- und Militärpräsenz (noch immer und noch mehr Hubschrauber, Polizisten und Bewachung) auch ich mich fragte, ob ich heute unbedingt auf dieses Riesenrad muss. Aber ich wagte mich hinein und ich bereue es nicht. Die Fahrt war jeden Cent wert. Eine halbe Stunde lang schwebten wir über London. Wie zuvor mit Petrus abgesprochen, kam pünktlich, als ich oben ankam, eine Wolke, die die Sonne verdeckte, so dass ich einigermaßen gute Bilder machen konnte. Ich war erstaunt wie ruhig sich die Kabinen bewegten. Man merkte kaum, wie wir höher und dann wieder tiefer stiegen – bis wir wenige Meter vor dem Ausstieg doch kurz anhielten. Ein kleiner Schreckmoment, der leider zu niedrig war, um aus fotografischer Sicht etwas vom Stillstand zu haben.

Wieder mit Ines vereint, machten wir uns auf den Weg zum Tower of London. Denn nun stand uns noch unser letztes Abenteuer für diesen Tag bevor: Die Grim Reapers Tour durch London. Wieder drei Stunden. Wieder mit Ivo, unserem illustren Guide. Auf dieser Tour gelang es mir zu meiner Freude schon viel häufiger, nicht nur zu knipsen, sondern zu fotografieren. Abendliche Straßenschluchten, der Sonnenuntergang, der sich in den Glasfassaden spiegelt, Kontraste zwischen alter und neuer Architektur und die Schatten, die immer länger werden, geben großartige Motive ab. Und ganz nebenbei erfahren wir mehr über die dunkle Geschichte Londons. Das schaurigste an der Tour waren allerdings unsere Füße, die uns am Ende drohten, uns umzubringen. Kein Wunder also, dass wir am Mittwoch völlig erledigt in unsere Betten fielen.

Wollt Ihr Euch auch ein Bild machen? Wie zuvor an dieser Stelle die passenden Fotos:

London Tag 3


 

London Camden Market. Summerly. The thrill rises.

Day Three – alias The Day of Adventures began again clearly sunny. Not to say: It was hot. Hadn’t everyone claimed that London would always be grey and rainy? So far we had not encountered a single drop.

Our first adventure took us to the Camden Market in the morning. This was a „secret tip“ that Ines had received. As we got out of the stuffy tube and found only two small stalls gathered around with tourist stuff, the disappointment crept into our bones. Especially Ines, she was clearly disappointed since she had persuaded me.

Why I am so grateful to her for this idea, you will now learn:
The souvenir shops were only meant to catch confused tourists like us. Luckily, however, we were only confused for a moment, and then ran stubbornly up the street, in the vague hope of not having come here for nothing. And already this street – the Camden High Street – seemed to be worthwhile. The walls of the houses were like huge canvasses and the street was a single gallery. There was no house that had not been painted and unbelievably creative – three-dimensional. There was a dragon dragged over the roof, huge shoes ran up the walls and angels in the higher houses rose above it. To describe what we have seen so that you can understand it is difficult. The scenery was just too absurd! And that says an author who is writing on a whole fantasy world and can describe it in pictures … But fortunately, this report also carries enough photos with himself. That should help.

And then it was finally time. We reached one of the many entrances to the real Camden Market and when we entered it we knew we were in the right place. And even if we had not been right – no one would get us out of here so quickly. Actually, Camden Market is not a market at all. Rather, it is an unstable mass of countless completely different markets. At first we entered a small area, covered with an iron-glass construction, where there was mainly handmade jewelry. Then we entered a house with two floors and a halo in the middle. The columns were colorful and beautifully decorated. Here, too, was mainly art. Paintings, drawings, sculptures, fabrics … We thought we had seen everything when we had also looked into the numerous adjoining rooms and niches, but then we discovered that one of these adjoining rooms had an exit that led to a bridge. From the bridge we saw ground everywhere, we crossed another house and landed on the dealings of a large courtyard on the water. Boats were floating in the middle, boulders were standing around on each side, each smelling more delicious than before. When we tried to decide for something to eat, we escaped through another passage – this time to level ground – and landed in a sort of stretched courtyard. There were clothes over clothes and, to my regret, a booth with old cameras and typewriters. If I had not already taken an obscene sum of my credit card for the flight to pay my overweight (of my suitcase, not mine), I would have give in. Oh, I would have given in with pleasure!

We forced ourselves to save money and ran stubbornly down the yard, believing that we had finally reached the end. But at the end of the farm we realized that there was another „alley“ on the left side of the road. Here again the strong odors of the various food booths dominated. We forced our way past all sorts of treats and then, at first sight, stood in a dead end. On closer inspection, however, we found that the way was threefold. We worked systematically through it and found ourselves in the Horse Tunnel Market. From there we went to Stables Market. Everywhere there were beautiful carvings with horse heads, bronze figures and shops in former stables. The flair of this market is just as indescribable as Art Gallery Street in front. It shows a variety like I had not even seen on Suqs in Damascus or Cairo. For some unknown reason, I kept the overview there – a fact that saved us from being considered missing in this market. But with every door, every staircase, every curve, we crept deeper into this infinite rabbit hole. Again and again we read signs a la> Walk here for more shops <.

When we were able to decide for a lunch, the time was already pressing for my next highlight. We made our way to Waterloo and walked along the Thames to the London Eye with a little detour to the Golden Jubilee Bridge. We waved Mister Bond and our colleagues from the MI6 and strolled across the The Queen’s Walk to the London Eye.

After long struggles with herself, Ines decided stay on the ground and sunbath at the Jubilee Gardens, while I met Volunteer agent Anika and her friend at the Eye to give us a small overview. I admit that I was wondering if I have to go to this ferris wheel today, especially with the increased police and military presence (still and even more helicopters, policemen and guards). But I dared to go inside and I do not regret it. The ride was worth every penny. For half an hour we hovered over London. As previously agreed with Petrus, when I reached the top, a cloud covered the sun so that I could make some good pictures. I was amazed how quiet the cabins moved. We could hardly see how we climbed higher and then lower – until we stopped a few meters before the exit. A small moment of fright. It was unfortunately too low to be able to make something out of it from a photographic viewpoint.

Once again united with Ines, we set off for the Tower of London. For now we had our last adventure for this day: the Grim Reapers tour through London. Again three hours. Again with Ivo, our illustrious guide. On this tour I succeeded to my pleasure more often, not only to snap, but to photograph. Evening canyons, the sunset, reflected in the glass façades, contrasts between old and new architecture and the shadows that were getting longer gave great motifs. And by the way, we learn more about the dark history of London. The most gruesome thing on the tour, however, were our feet, which threatened to end us. No wonder, then, that on Wednesday we fell completely dead into our beds.

Would you like to get a picture? As before at this point please click on the matching photo above or here.

Sincerely