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Tag: Mut

Vom Leben gezeichnet

Heute habe ich nur einen ganz kurzen Sonntagsgedanken für Euch.

Kurz, aber dafür nicht unbedingt leicht zu schlucken.

Es heißt oft, ein Mensch sei vom Leben gezeichnet.
Ich glaube, das stimmt nicht ganz.
Das Leben gibt uns Farben an die Hand, um uns, um unsere Leinwand bunt zu machen… zu bemalen und zu bezeichnen. Das Leben gibt uns Farben vor… vielleicht sogar Motive. Aber es zwingt uns nicht. Es zeichnet uns nicht. Wir sind keine passiven, willenlosen Leinwände. Wir sind unser eigenes Kunstwerk und unsere eigenen Künstler.
Ließe man alle Künstler der Geschichte das gleiche Motiv malen… erzählte ihnen dazu die gleiche Geschichte… so würde es doch jeder völlig anders malen. Der eine grell und dramatisch, der nächste verworren und verspielt, der dritte möglichst realistisch und dabei doch genauso subjektiv. Ein und dieselbe Erfahrung kann völlig unterschiedliche Reaktionen und Erkenntnisse mit sich bringen.
„Das Leben“ oder „das Schicksal“ im Allgemeinen zum Grund für die eigene Situation zu erklären, ist eine recht… entspannte Lösung. Denn es sagt, dass man keine Wahl hatte, dass es eben so kommen musste. Unsere Vergangenheit ist im Rückblick eine Erklärung für unser Handeln. Aber es ist im Vorab keine Bedingung. Als ich meine Gedanken dazu mit einer lieben Freundin teilte, stimmte sie nachdenklich zu und gab mir ein Beispiel, das es in sich hat: Zwei Schwestern haben eine Mutter mit einem starken Alkoholproblem. Die eine Schwester wächst auf und beginnt irgendwann, ebenfalls zu trinken. Wann immer sie darauf angesprochen wird, sagt sie „Wie könnte es anders sein? Schon meine Mutter hat getrunken. Es musste so kommen“. Die andere Schwester wächst heran und trinkt niemals zu viel und generell nur selten, weil sie niemals so enden will wie ihre Mutter. Für beide liegt die Erklärung in der Vergangenheit. Aber beide gehen vollkommen unterschiedlich damit um.
Das ist ein hartes Beispiel, denn so wie in dieser Geschichte, gibt es im Leben Herausforderungen, die das Potential haben, uns zu zerstören. Aber „Potential“ meint kein Muss. Unsere Vergangenheit schreibt uns nicht unsere Gegenwart vor und erst recht nicht unsere Zukunft. Unsere Vergangenheit schafft Erfahrungen in uns und wir sind es, die diese Erfahrungen bewerten müssen – um daraus zu lernen, um daran zu wachsen, um immer besser zu werden.

Das Leben zeichnet uns nicht. Es stellt die Voraussetzungen und die Umgebung für das Bild, das wir selbst von uns zeichnen.
Unser vergangenes Leben ist unsere gegenwärtige Inspiration beim zeichnen unserer Zukunft.
mc.

Sincerely

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne

Na das fängt ja gut an. Der erste Advent. Der erste weihnachtliche Sonntagsgedanke – und ich poste ihn am Montag. Aber aller Anfang ist schwer. Ich kann schon jetzt prophezeien, dass es am zweiten Advent wohl ähnlich sein wird, denn während des zweiten Advents bin ich auf der German Comic Con in Dortmund (und am Montag dann im Linienbus heim gen Berlin).

img_2960sIch muss also einmal mehr feststellen: Anfangen ist gar nicht so leicht – und ich bin mir sicher, damit erzähle ich niemandem etwas Neues. Es fängt schon am Morgen mit dem Aufstehen an. Ist man erstmal wach und aktiv, ärgert man sich oft über die morgens vertrödelte Zeit. Aber wenn man morgens aufwacht – draußen ist es kalt und dunkel und im Bett so flauschig und warm –, dann will einem das Aufstehen und Anfangen gar nicht einfallen. Mir zumindest geht das meistens so.

Anfangen kostet Mut und Überwindung. Es bedeutet, dass etwas Neues passiert; dass sich etwas verändert; dass das, woran man sich gerade gewöhnt hatte, endet. Traue ich mir den neuen Job zu? Die neue Partnerschaft? Die neue Rolle als Mutter? Anfangen kann uns Angst machen.

Aber wenn uns neue Herausforderungen und Aufgaben Angst machen, dann bedeutet das, dass wir uns unsere Entscheidung nicht leicht gemacht haben, dass wir sie ernst nehmen und sie uns mit all ihren Konsequenzen wichtig ist. Angst zu haben zeigt unsere Prioritäten. Es ist okay, sich vor einem neuen Anfang zu fürchten. Solange wir trotzdem anfangen – und nicht aufhören, bevor wir begonnen haben.

Wie heißt es so schön? Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Ich denke, das stimmt. Und ich muss es wissen, denn in meinen Büchern liegt jede Menge Magie verborgen. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Ich glaube, dieser Zauber beschreibt ein Gefühl, einen ganz bestimmten Moment:
Den Augenblick, in dem wir die Augen zukneifen, die Luft anhalten und vom Zehner ins Wasser springen. Der Augenblick, in dem wir uns vom Geländer abstoßen und unsicher, aber mit Schwung auf Kufen übers Eis gleiten. Der Augenblick, in dem wir all den Mut, den wir in uns finden können, zusammenkratzen und den einen Schritt machen, der aus einem Ende einen Anfang macht, der Grenzen und Differenzen überwindet.

Vorher ist da diese bedrohliche Wand aus „Ja, aber“s und „Aber was, wenn“s. Dann merken wir es. Wir merken, dass wir so weit sind und über diese Wand hinwegspringen können. Wir spüren es in unseren Beinen kribbeln und im Rücken zucken. Wir gehen in die Knie und springen ab und noch im Sprung spüren wir den Wind der Veränderung, können über die Wand sehen, sehen die neuen Chancen und Möglichkeiten und wissen: Es ist gut so. Und noch bevor wir wieder landen spüren wir das Glück in uns und den Stolz, dass wir es gewagt haben. Was für eine Gefühlsachterbahn!

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: Der Zauber, uns selbst zu überwinden; die Sicherheit der Gegenwart für die Möglichkeiten der Zukunft zurückzulassen; Mut und Entschlossenheit aus uns selbst heraus zu erschaffen, wo vorher Angst war; offen zu sein für das, was nun kommen mag.

Wer hätte gedacht, dass die Weihnachtszeit – die, die eigentlich besinnlich und ruhig sein sollte und stattdessen hektisch und turbulent ist – uns anregen soll, Neues zu wagen? Gerade die Zeit im Jahr, die von Traditionen und einer 2000 Jahre alten Geschichte lebt. Aber die Geschichte, die zu Weihnachten erzählt wird, erzählt eben auch genau das: Da ist ein junges Paar, das am Anfang steht – in so vielerlei Hinsicht. Da sind die Hirten und die Weisen, die ihre eigentlichen Aufgaben hinter sich lassen für etwas Neues, von dem sie noch gar nichts wissen. Immer wieder hören sie alle „Fürchtet Euch nicht“. Sie haben also Angst. Angst vor etwas Neuem, Ungewissen zu haben, ist offensichtlich nichts Neues.

Das wiederum kann doch beruhigen oder? Bei allem Anfangen: Die Angst vor dem Anfangen, vor dem Neuen ist nicht neu. Und trotzdem machen wir weiter. Wir alle tragen den Mut, den Zauber zum Anfangen in uns. Also lasst uns zaubern!

In diesem Sinne: Einen gesegneten ersten Advent, einen gesegneten Anfang der Weihnachtszeit!

Sincerely

the wingscriber pls sig