Welcome to my world.

Tag: Optimismus

Etwas Optimismus bitte

Jedes Mal, wenn ich die Nachrichten sehe oder eine Dokumentation, schelte ich mich dafür, nicht dankbar genug zu sein. Nicht alles in meinem Leben läuft rund. Und mir würde sofort jede Menge einfallen, dass mir zu schaffen macht. Und doch. Ist das nicht klagen auf hohem Niveau?

Es gibt genug schlechte Nachrichten auf der Welt. Genug, das uns den Tag verderben kann. Vielleicht ist es an der Zeit, auch etwas Gutes in die Welt hinaus zu rufen. Zu überlegen, was gut ist, was gelingt, was funktioniert, obwohl es eben nicht selbstverständlich ist. Ich habe lange keinen Sonntagsgedanken mehr geschrieben und vielleicht ist es mal wieder Zeit dafür.

Ich habe mir nun jedenfalls das Ziel gesetzt, positiver auf mein Leben zu sehen. Und dazu gehört aktuell meine Heimat Berlin. Gerade von Xaver ordentlich auf den Kopf gestellt, gescheitert im Öffi-Verkehr und regelmäßig in den Nachrichten für all das, das hier nicht funktioniert, nicht fertig gebaut wird, nicht so ist, wie es sein soll. Berlin ist laut, unfreundlich und eine permanente Baustelle? Ich finde, Berlin ist lebendig, ehrlich und der Inbegriff von Wandel und Erneuerung. Ich mag diese so andere Weltstadt. Ich mag es, ihren Puls zu fühlen. Berlin ist eine Stadt der Gegensätze. Alt und modern, laut und leise, grün und bebaut. Vom gläsernen Riesen Sonycenter kann man das alte Brandenburger Tor sehen. Vom Berliner Dom ist es nur ein Katzensprung zum Fernsehturm. Kirchen, Synagogen und Moscheen sind Oasen der Ruhe im Trubel der Großstadt. Auf jeden Betonklotz kommt ein ebenso großer Park, Wald oder See. Ich liebe es, wie man im Brustton der Überzeugung von Müggelbergen, Teufelsberg und Kienberg spricht – auch wenn ab dem Harz abwärts niemand in diesen „Bergen“ auch nur Hügel sehen würde. Ich mag die Schlagfertigkeit von Busfahrern und die Allwissenheit der Taxifahrer. Ich mag die Musiker in den Ubahnen, die den Soundtrack zu meinem Alltag spielen, und den Laierkastenspieler, der mich beim Heimkommen in Köpenick empfängt. Ich genieße es, nur mit einem BvG-Ticket eine Weltreise machen zu können, weil jeder Stadtteil wie eine ganz eigene Stadt in einem eigenen Land ist. Wie jeder Kiez so unglaublich individuell ist – wie eine eigene Welt.

Berlin ist ein ganz besonderer Flecken Erde mit ganz besonderen Menschen. Geradeheraus. Stur. Humorvoll – wenn man den gleichen Humor hat. Ich bin dankbar, hier zu sein. Ich bin dankbar für den täglichen Wahnsinn, der sich hier Alltag nennt. Ich bin dankbar für das Leben, das mich hier umwirbelt, ohne an mir Anstoß zu nehmen. Ich bin dankbar für all die Originale, die mein Leben und damit auch meine Geschichten bereichern – einfach nur, weil sie mir begegnen. Fremde werden zu Fremden mit Lebensgeschichten und manchmal sogar zu Freunden.

Berlin, ick liebe Dir.

Sincerely

Vor- und Nachteile des Schwebens

1. Advent. Kein anderer Tag steht so sehr für den Neubeginn, für etwas Besonderes, das jetzt auf uns zukommt. Mit dem ersten Advent beginnt für Christen das neue Jahr, das neue Kirchenjahr. Das große Ereignis vier Sonntage später wirft im Kerzenschein des Adventskranzes seine Schatten voraus.

Paris 02 046 tür kleinDas passt. Zumindest auf mich. Vielleicht auch auf den einen oder anderen von Euch. Bei mir herrscht zurzeit Aufbruchsstimmung. Alles wird anders. Aber wie? Das Examen liegt hinter mir und damit eine Zeit, die nicht nur mich herausgefordert hat. Damit haben die letzten neun Jahre meines Lebens (ja, ein Theologiestudium ist recht zeitintensiv) ein Happy End bekommen. Ende Abspann. Danksagung. Und was kommt jetzt? Die große Freiheit? Der Augenblick, auf den ich seit Jahren gewartet habe? Von einer großen Last befreit, fühle ich mich, als würde ich fliegen.

Ich bin sicher nicht die einzige, die dieses Gefühl kennt. Eine schwierige Aufgabe, einen vergangenen Lebensabschnitt, eine große Etappe auf unserem Weg haben wir hinter uns gebracht. Und dieses Hochgefühl verleiht einem Flügel. Alles scheint möglich. Alles ist offen. Und doch habe ich das Gefühl, in der Schwebe zu hängen. Was kommt als nächstes? Werde ich gut genug sein, um von meinem Traumberuf leben zu können? Werde ich mit meinen Worten Menschen erreichen können? Werde ich meiner Familie etwas von dem zurückgeben können, was sie mir in den letzten Monaten gegeben hat?

Ich habe große Pläne, Träume, Ziele, aber zum ersten Mal in meinem Leben ist nicht klar, was direkt vor mir liegt. Dieses In der Schwebe Hängen zwischen dem, was war, und dem, was sein wird, kann Angst machen. Unwissenheit ist nie schön. Wir kennen eben nur den Teil unseres Lebens, der bereits hinter uns liegt. Darauf können wir uns berufen, von diesen Erfahrungen und Erinnerungen können wir zehren. Und wenn ich zurückblicke, dann sehe ich, wie verboten viele Zufälle (und wer meine Weihnachtsgedanken schon in den vergangenen Jahren verfolgte, der erinnert sich sicher an meine Definition von „Zufall“) dazu geführt haben, dass ich das Examen bestehen konnte, dass meine Lesung auf der RingCon (tut mir leid, ich werde mich bemühen, ihn morgen endlich zu posten) so ein Erfolg war  und dass unsere zweite, so unglaublich kurzfristige Mission:Change  so gut funktionierte. Immer wieder begegnete ich im richtigen Moment den richtigen Menschen, hörte die richtigen Worte, die richtigen Fragen und die richtigen Antworten. Ich mag diese kleinen Zufälle. Sie erinnern mich daran, dass ich nicht allein bin in dem, was ich tue, und dass es offenbar jemanden gibt, der einen besseren Überblick über mein Leben hat – und das derer, denen ich immer dann begegne, wenn ich sie brauche oder sie mich.

Und diese Erinnerungen sorgen dafür, dass ich mich nicht mehr hin und her gerissen in der Schwebe fühle, sondern das Fliegen genießen kann.

Ganz gleich, ob ihr nun so wie ich direkt vor einem Neuanfang steht oder ihr in Eurem eingespielten Alltag lebt: mein Wunsch für Euch in der Adventszeit ist Vertrauen in Eure Zukunft. Wer auch immer da mal mehr und mal weniger seine Finger im Spiel hat: bis hierher seid ihr gekommen, warum nicht auch weiter? Habt keine Angst vor dem, was kommt. Seid neugierig, offen und nutzt die Zeit um Weihnachten, um Euer Leben mit etwas Optimismus neu kennenzulernen.

Sincerely

the wingscriber pls sig

Können wir das schaffen? – Jo, wir schaffen das!

sonnenblumeGestern habe ich den Trailer zum 2. Teil von Fack ju Göthe gesehen und ich freu mich jetzt schon darauf, am 10.9. als Belohnung nach meiner letzten Klausur in die Premiere zu gehen. Automatisch spielt mein Kopfkino ein paar meiner Lieblingsszenen aus dem ersten Teil ab. Eine davon: Herr Müller – Bankräuber und Aushilfslehrer – erklärt Chantal – der Anführerin der „Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten“ -, dass sie hochbegabt und bisher einfach unterfordert ist.

Bis dahin eine glatte Lüge. Aber sie glaubt dem Lehrer, der anders ist und der ihr nicht sagt, dass sie ein hoffnungsloser Fall ist. Zum ersten Mal in ihrem Leben hört sie, dass sie etwas kann, dass sie „gut“ ist. Und das motiviert sie und lässt sie über sich hinaus wachsen.

Das macht mich nachdenklich. Ich schaue auf meine Familie und meine Freunde, auf mich selbst. Wir alle haben oder hatten große Träume und Visionen. Die einen setzen sie um, die anderen nicht. Woran liegt das? Haben es manche einfach mehr drauf als andere? Das glaub ich nicht. Ich halte es da eher mit Herrn Müllers Maxime: Ich denke, dass viel zu viele von uns viel zu selten hören „Du bist begabt“, „Du bist gut“, „Du schaffst das“, „ich glaub an Dich“. Ich denke, dass viel zu viele von uns zu selten sagen „Du bist begabt“, „Du bist gut“, „Du schaffst das“, „ich glaub an Dich“.

Der Glaube – an wen oder was auch immer und vor allem auch der an und in uns selbst – kann Berge versetzen und auch Gebirge, wenn auch noch ein anderer an uns mit-glaubt.

Keiner von uns bricht sich einen Zacken aus der Krone, wenn er jemand anderen auf seinem Lebensweg bekräftigt. Wir müssen diesen Weg dafür nicht gut heißen oder begeistert mitgehen wollen. Es ist ja nicht unser Weg. Aber wenn wir sehen, dass jemand ein Ziel, einen Traum hat und hart dafür kämpft, dann hat er dafür unsere Ermutigung verdient. Das ist eine Hilfe, die nichts kostet, aber viel gibt. Jeder, der schon mal eine schwere Aufgabe vor sich hatte und sich noch ein paar ermutigenden Worten sehnte, weiß das. Ermutigen tut nicht weh. Aber es tut gut.

Deshalb an dieser Stelle von mir an jeden, der dies liest:

Ich glaube an Dich und an Deine Träume. Egal wie groß oder klein sie sind. Egal ob sie zum Greifen nah sind oder noch in weiter Ferne. Ich traue sie Dir zu. Du bist die perfekte Besetzung für dein Leben. Niemand könnte Deinen Traum besser realisieren als Du. Du bist begabt und Du kannst es schaffen. Finde das, in dem Du gut bist, den Traum, für den Du gemacht bist. Glaub an Dich und fang an, daran zu arbeiten. Es lohnt sich. Trau Dich! Vertraue Dir und traue anderen etwas zu.

In diesem Sinne: Können wir das schaffen?
(wie wäre es mit der passenden Antwort im Kommentar? 😉 )

 

Sincerely

the wingscriber pls sig